FJAAK

Alle Wege führen aus Spandau

Birgit Kaulfuss (FJAAK)

Zuerst erschienen in Groove 163 (November/Dezember 2016).

Wie, Tech-House? Als Aaron, Felix und Kevin vor fast zehn Jahren in Spandau angefangen haben, ihre ersten Tracks zu konstruieren, wussten sie von nichts. Jenseits der Berliner Clublandschaft und mit großer Begeisterung für analoge Maschinen wurden sie schnell zu einem der spannendsten Techno-Live-Acts der Stadt, bevor Modeselektor sie unter ihre Fittiche nahmen. FJAAKs neue Platte für Monkeytown ist der letzte Vorbote eines fantastischen Debütalbums, das im Januar erscheinen soll. Zeit, sich besser kennenzulernen.

Monkeytown-Zentrale, Köpenicker Straße in Berlin-Mitte: Aaron, Felix und Kevin führen ziemlich gut gelaunt durch ihr neues, vorläufiges Zuhause. Hier sind die Büros ihres Labels, aber auch das Studio, in dem sie in der letzten Zeit ihr erstes Album vollendet haben. In diesem Studio sitzen normalerweise drei andere Techno-Posterboys – Gernot, Sebastian und Sascha. Die Junioren dürfen hier die Geräte übernehmen, während Moderat durch die europäischen Konzerthallen touren. Das dürfte dem Nachwuchs-Trio vor einer Weile auch den Arsch gerettet haben: Ihre jetzt schon legendäre WG in Prenzlauer Berg gibt es nicht mehr, jeder wohnt im Moment alleine und dadurch ist auch das gemeinsame Heimstudio futsch, in dem FJAAK über die vergangenen Jahre ihre analogen Techno-Bretter gebaut haben, wo immer die halbe Welt zu Gast war, in der wahrscheinlich kreativsten und produktivsten Kifferhöhle, die Berlin je gesehen hat.

Genau dort haben FJAAK 2013 auch den Deal für ihre erste 50Weapons-Maxi klargemacht, obwohl die frisch gepressten Platten schon überall in der Bude herumstanden und auf die Selbstveröffentlichung warteten. Doch dann kam Gernot. „Wir hatten denen schon an die 40 Tracks geschickt und die wollten einfach immer noch mehr“, erzählt Felix. „Wir dachten echt, das wird nichts mehr. Dann kam eine Mail von Gernot: ‚Yo, wo wohnt ihr denn? Ich komm jetzt vorbei!‘ Wir saßen total stoned auf der Couch, aber er hat sich richtig darüber gefreut. Seine Frau hatte gewettet, wir wären drei Hipster, und er wollte das nicht glauben. Überall standen also diese Platten rum, auf denen noch die Stempel trockneten. Er meinte: ‚Jungs, wir drehen die einfach um, machen einen 50Weapons-Stempel auf die Rückseite und die kommt bei uns raus!‘ Das war einfach perfekt. So ist, glaube ich, noch keine Platte bei denen rausgekommen.“

Alles mal ausprobieren

Die Rede ist von „Don’t Leave Me / Plan A“ (2014), zwei rohen Techno-Stampfern mit unerwartet housigem Swing zwischen kräftigen Kickdrums. Ein guter Einstand für FJAAK und ein Geschenk für 50Weapons. Denn auch wenn die drei Spandauer immer noch unter Newcomer laufen, hatten Aaron Röbig, Felix Wagner und Kevin Kozicki – heute zwischen 23 und 25 Jahre alt – schon damals einiges vorzuweisen: ein paar Veröffentlichungen auf Baalsaal und Klasse Recordings, einige Jahre DJ-Erfahrung, im Sommer 2013 das erste Live-Set in der Panorama Bar, eine lange Vergangenheit in Spandau mit Open Airs, Lagerhallen-Raves, besetzten Häusern, Bandkonstellationen und einfach immer nur Musik. Wenn sie von all dem erzählen, alle drei durcheinander, bis sich einer durchsetzt, kippt man fast um. Echt jetzt? Ja, stimmt wohl alles, denn Kevin zieht bei jeder Anekdote und Episode gleich das MacBook raus und hat ein paar Hörproben am Start. Rap, Crossover, R’n’B, alles mal ausprobiert, alles auch ziemlich vorzeigbar. Und natürlich Techno, den manche sehr alt und klassisch finden und in die Neunziger stecken. Aber so funktioniert das bei FJAAK nicht. Die Referenzen verlieren hier ihr Alter. Alles ist jetzt, weil die drei Jungs es auch sind.