ZEHN BÜCHER für Groove-LeserInnen

Dies ist eine von 100 Listen zum 25. Groove-Jubiläum, erstmals erschienen in Groove 151 (November/Dezember 2014).

Das Groove-Magazin bietet alle zwei Monate schon genug Lesestoff, könnte man als geneigter Technointeressierter denken. Doch manchmal lohnt sich auch der Griff zu echten Wälzern: Denn auf dem weiten Feld der elektronischen Musik sprießen zahlreiche hervorragend recherchierte, klug argumentierte und mitreißend geschriebene Bücher. Zehn neue und alte Klassiker, die den Grundstock jeder Techno-Bibliothek bilden sollten, haben wir im vergangenen Jahr für die Jubiläumsausgabe des Magazins herausgesucht und stellen sie hier erneut (und, mit Auszügen aus diversen Reviews garniert, ewtas ausführlicher) vor.

 

TechnoPhilipp Anz & Patrick Walder (Hrsg.): Techno (Verlag Rocco Bilger, 1995)

„Die Originalausgabe ist bis heute das beste Kompendium zur Musik aus Strom, mit glänzenden Artikeln zu Stilrichtungen (Detroit, Ambient), Figuren der Szene (Jeff Mills, Sven Väth) und musiktheoretischen oder praktischen (Drogen, Sex) Fragen.“

(Sebastian Fasthuber, Falter, 26/1999)

 

Der Klang der FamilieFelix Denk & Sven von Thülen: Der Klang der Familie – Berlin, Techno und die Wende (Suhrkamp, 2012)

„Dieses Buch ist nötig! Mehr noch: Es hat das Zeug zu einem unverzichtbaren Standardwerk, nicht nur für Techno-Historiker, sondern für alle, die sich für das Alltagsleben im Berlin der wilden Wendejahre interessieren.“

(Daniel Fersch, Groove, 26.03.2012)

 

More Brilliant Than The SunKodwo Eshun: More Brilliant Than The Sun – Adventures In Sonic Fiction (Quartet Books, 1998)

„Wo der herkömmliche Journalismus angesichts von Techno und seinen vielfältigen Spielarten hilflos von der ‚Unbeschreiblichkeit‘ des Rhythmischen faselt, feiert Eshun mit seiner ‚Futurhythmaschine‘ die progressive Kraft von Sounds, die elektrisch, elektronisch oder digital zu Rhythmen generiert wurden. Er bohrt sich rückwärts in die Geschichte, um von ganz tief drinnen in den Mikrostrukturen des Jazz, des Funk, der elektronischen Musik der siebziger und achtziger Jahre die Zusammensetzung ‚futurhythmatischer Frequenzen‘ zu rekonstruieren.“

(Pinky Rose über die deutsche Ausgabe Heller als die Sonne in der Übersetzung von Dietmar Dath, Die Zeit, 52/1999)

 

RaveRainald Goetz: Rave (Suhrkamp, 2001)

„Es geht […] um reine, den Körper durchzitternde, beseelende und glücklich machende Textmusik, oder anders: Rave will ein Techno- und Nachtlebengottesdienst sein, und zwar ein Gottesdienst im recht orthodoxen Sinn. Die Geschichten, die dieses Buch auch erzählt, obwohl es ’natürlich keine Handlung hat‘, stehen nicht als Geschichten für sich, sondern sind alle Teil eines Rituals, das den heiligen, beseelten Zustand des In-der-Musik-Seins im Schreiben beschwören und dadurch wiederholen will. Es geht um den Zustand der absoluten Gegenwart, mit dem die Sprache schon immer ihre Schwierigkeiten hatte.“

(Andreas Schäfer, Berliner Zeitung, 18.04.1998)

 

Come On In My KitchenChristoph Keller & Ata Macias (Hrsg.): Come On In My Kitchen – The Robert Johnson Book (Live At Robert Johnson, 2012)

„In Bildstrecken, Interviews und kurzen Essays wird hier coffeetable-tauglich die Geschichte des seit 1999 in Offenbach/Main existierenden Ladens verarbeitet, der stets die Schnittstellen zu anderen gegenwartskulturellen Bereichen wie Mode oder Kunst pflegte – ablesbar an Beiträgen von bildenden Künstlern wie Tobias Rehberger und Stefan Marx.“

(Kito Nedo, Art, 20.04.2012)

 

Lost and SoundTobias Rapp: Lost and Sound – Berlin, Techno und der Easyjetset (Suhrkamp, 2009)

„Tobias Rapp [bringt] nicht nur Licht ins Dunkel des diffusen Marktsegments ‚Feiern‘, sondern leuchtet auch den Berliner Underground aus. Er flaniert durch die Kellergewölbe der technoiden Unterhaltungsindustrie, stellt Künstler vor und erzählt Anekdoten aus dem sexuell aufgeladenen Nachtleben.“

(Nadja Geer, Die Zeit, 12/2009)

 

Energy FlashSimon Reynolds: Energy Flash – A Journey Through Rave Music And Dance Culture (Faber & Faber, Neuauflage 2013)

„Reynolds traces the genre’s development from its origins in Detroit, New York and Chicago, through its climactic budding in the motorway-side paddocks of Britain in the late 80s and early 90s, to its fractious, twitchy, even sinister comedown – a trajectory not dissimilar to that experienced by those who consume ecstasy, the drug that powered it all. Reynolds begins as an observer and finds himself subsumed as a participant, popping the pills, following the crowds, raving amid the throng and, en route, employing his connections as a journalist to meet the prime movers. His digressions on the chemical and cultural effects of ecstasy in particular are lucid and informed, and as such a bracing reminder of how little public discussion of drugs is any of those things.“

(Andrew Mueller, New Humanist, 04.03.2008)

 

Techno RebelsDan Sicko: Techno Rebels – The Renegades of Electronic Funk (Wayne State University Press, Neuauflage 2010)

„Dan Sickos Blick auf [Detroit] und die Musik [ist nicht] nicht als allumfassende, universell gültige Sicht zu verstehen. Wie auch. Labelmacher, DJs, Produzenten respektierten Sicko und seine Arbeit jedoch wie kaum einen anderen. Ohne seine Stimme und seine Texte wäre Detroit und seine Musik jedoch denen ausgeliefert gewesen, die mit Hypes und aufgeblasenen Geschichten ihr Geld verdienen.“

(Thaddeus Herrmann, De:Bug, 30.8.2011)

 

Mehr als lautJürgen Teipel: Mehr als laut – DJs erzählen (Suhrkamp, 2013)

„Teipel hat über Jahre gesammelte Interviewfragmente mit DJs wie Michael Mayer, Lawrence oder Miss Kittin zu einem zusammenhängenden Dokumentationsroman geformt, in dessen erzählerischem Zentrum das Auflegen steht. […] DJ Koze spricht vom ‚totalen Grenzüsberschreitungskickwahnsinn‘, Kristian Beyer vom ‚Sich-total-wegschießen‘, während Acid Maria den Club als ‚Ort der Respektlosigkeit gegenüber den Bedingungen der menschlichen Existenz‘ bezeichnet.“

(Martin Kirchner, Groove, 02.01.2014)

 

Ocean Of SoundDavid Toop: Ocean Of Sound. Klang, Geräusch, Stille (Hannibal Verlag, 1997)

„Ocean of Sound is partly a mediation on immersive sound and the development of modern music, but there’s no single term that is adequate to describe what Toop has accomplished here. […] The book’s dream-like structure shouldn’t obscure Toop’s scholarship; there’s plenty to learn here, and it’s far more than extended reverie. Mixing interviews, criticism, history, and memory, Toop moves seamlessly between sounds, styles, genres, and eras, using listening as a tool in a search for a deeper understanding.“

(Mark Richardson, Pitchfork, 11.07.2011)