LISTE Zehn häufige Fehler bei der Musikproduktion

Foto: Iwan Gabovitch (Flickr)
Dies ist eine von 100 Listen zum 25. Groove-Jubiläum, erstmals erschienen in Groove 151 (November/Dezember 2014).

 

Zehn der häufigsten Fehler bei der Musikproduktion, zusammengestellt von unserem Technik-Redakteur Numinos.

1. Frequenzüberlagerung (zu dicht/doppelt arrangiert)
2. Hi-Hat zu laut
3. Kickdrum zu laut
4. Bass zu laut
5. Samples knacksen
6. Zu viel Hall
7. Keine Tiefenstaffelung
8. Phasensauereien im Bass
9. Stereofeld ungenutzt
10. Kickdrum und Bass auf unterschiedlichem Grundton

  • sehrgut

    #qualitätsjournalismus

  • ReTcon

    Klangbeispiel (das meiste der o.g. Probleme erfüllt): Lamb Album – Backspace Unwind

    inklusive

    11. Todsünde: zu viel Kompression, Dynamik plattgewalzt.

  • ergin

    sample knacksen? kick zu laut? bass zu laut? zu viel hall? es kommt doch darauf an was man bezwecken möchte oder fühlt und für welches medium oder?
    dann müssten ja manche platten von moodymann oder theo grauenvoll sein die aber genau mit solchen fehlern gerade brillant sind und naiv.
    aber wenn man sich auf platten wie von oslo, cocoon oder get physical und glatt geleckte produktionen und das als maß allerdinge nimmt, habt ihr schon recht!

    #techniknerdgeschwätz

    lg

  • threshold

    hör Dir mal so manches aus den 1990ern an. Teilweise schöne Sachen die aber auch alle von Dir als legitim bezeichnet Fehler aufweisen. Ergebnis: Die Tracks hören sich einfach nicht frisch an und lassen sich vom Sound her auch eindeutig diesem Zeitraum zuordnen weil so manch einer damals zwar viel gemacht hat aber die Standards oft nicht besonders hoch waren

  • Dominik

    und jetzt noch die Erklärung was das alles bedeutet und wie wir es vermeiden ;)

  • NUMINOS

    Hi Dominik,

    gerne – zur Vermeidung brauchst Du zwei Dinge: Dein Gehör und eine brauchbare Analyzer-Software.

    1. Frequenzüberlagerung (zu dicht/doppelt arrangiert)

    Erste Regel: Es kann nicht alles gleichzeitig laut sein.
    Daher:
    Höre und schau, welche Sounds im selben Frequenzbereich liegen. Wenn es an irgendeiner Stelle so ist, dass Du einen Sounds nur noch sehr schlecht hörst, weil ein anderes Instrument zur gleichen Zeit in derselben Frequenz spielt, probier aus, ob es kompositorisch nicht auch Sinn macht, dass sie versetzt voneinander kommen. Wenn das nicht geht: EQing + Dynamikbearbeitung.

    2. Hi-Hat zu laut

    Dreh die Hihat-komplett auf Null (während der Rest des Groove läuft). Dann fahr sie langsam hoch, bis Du merkst, dass der Hihat-Groove wahrnehmbar wird. Das ist meistens schon die richtige Lautstärke für die Hihat.

    3. Kickdrum zu laut

    Eine zu laute Kick ruiniert den Mix und ist beim Mastering kaum noch zu retten. Wenn die Kick dagegen einen Ticken zu leise ist, lässt sich das beim Mastering gut ausbügeln. Mit einer nicht übermäßig laut gemischten Kick ist man also eher auf der sicheren Seite als mit einer zu lauten. Außerdem hat 4.) der Bass mehr Platz.

    4. Bass zu laut

    Das gleiche wie 3.)

    5. Samples knacksen

    Ein paar gute Kopfhörer sind hier Gold wert. Samples Schneiden immer mit Headphones!

    6. Zu viel Hall

    Hall ist ein wunderbares Mittel, um Tiefenstaffelung und Raum zu schaffen und kann – umso trockender der Track ist – ein spektakulärer Effekt sein. Aber das Gleiche wie mit der Hihat: Raum nur so weit reindrehen, bis er wahrnehmbar wird. Mehr nicht.

    7. Keine Tiefenstaffelung

    Trockene Sounds (ohne Hall oder Delay) machen Spaß, weil sie ultraknackig klingen. Wenn alle Sounds einer Mischung aber komplett trocken und ohne Rauminformation oder Bewegung gemischt sind, wird die Nummer leblos und statisch.

    8. Phasensauereien im Bass

    Ich habe schon Presets aus populären Software-Synthesizern gehört, die so dermaßen mit Hall und Modulationseffekten (Phaser, Flanger etc.) vollgepackt waren, dass man sie beim Mastern förmlich einsperren muss, um sie noch einigermaßen vinyltauglich zu machen. Daher: Keine Modulationseffekte im Bass, aus!

    9. Stereofeld ungenutzt

    Es wird oft nicht „gepannt“, sonder Sounds einfach so genutzt, wie sie aus der Software, respektive Hardware kommen. Nichts klappte eine Mischung besser auf, als wenn Instrumente nach ihrer Priorität im Stereofeld (Links/Rechts, bzw. Mitte/Seite) geordnet sind.

    10. Kickdrum und Bass auf unterschiedlichem Grundton

    Hörend: Die Kickdrum zwei Oktaven nach oben Pitchen und hören, welchen Ton sie spielt (sollte gleich dem Bass sein). Im Analyzer: Schauen, bei welcher Frequenz der Grundton des Bass seinen höchsten Frequenzausschlag (Peak) hat. Die Kick sollte auf dem gleichen Grundton ebenfalls ihren Haupt-Peak haben.

    Das ist es schon! :)

    best

    NUMINOS