PLASTIKMAN Ex (Mute)

Man merkt schon, dass es Richie Hawtin gut ergangen ist in der letzten Dekade, vielleicht sogar zu gut. Ex ist seine erste Plastikman-Veröffentlichung seit geschlagenen elf Jahren, was ja allein schon für sich spricht. All die Bookings, all die Reisen, all die Partys, schöne Menschen, neue Frisuren, Ausflüge ins Gastrogeschäft et cetera. Da ist der Plastikman, dessen Platten immer von der Einsamkeit im Acid, dem Sich-am-falschen-Ort-Fühlen und der düsteren Post-Drogen-Paranoia erzählt haben, erst mal im Schrank geblieben. Nun hat Hawtin sich endlich von der Blockade durch Spaß befreit und für eine Raf-Simons-Dior-Modenschau im New Yorker Guggenheim-Museum ein neues (Quasi-Live-)Album eingespielt – natürlich nicht ohne das übliche Brimborium (Wer denkt nicht gern an den „Cube“ zurück? Hier war es ein „LED-Obelisk“). Mit seinen sieben durchgehenden Tracks springt Ex nun zurück hinter die Vocals seines Vorgängers Closer, zurück zum alten Plastikman, mit langsamen 303-Modulationen, endlosen Flächenplateaus und anämischen Beats. Zwar klingt das unterm Strich, siehe Gutgehen, viel weniger ernsthaft verzweifelt und psychotrop als früher. Eher wie eine bewusste Reinszenierung dieser Klaustrophobie. Und verliert zwischendurch auch mal den Spannungsbogen zugunsten seiner Funktion als Modeschau-Hintergrundmusik. Aber ist doch immer schön, wenn jemand mal wieder die alten Styles rausholt. Nur etwas Neues hinzuzufügen, das hat Hawtin anscheinend nicht mehr.

 


Video: PlastikmanEX (Full Album)