GUILLAUME & THE COUTU DUMONTS Groove Podcast 32

Groove Podcast 32 - Guillaume & The Coutu Dumonts

Auf dem Cover des 2010er Albums Breaking The Fourth Wall von Guillaume & The Coutu Dumonts ist ein explodierender Kopf zu sehen, aus dessen Hals Noten und Instrumente hervorsprudeln. Auch wenn es etwas makaber klingt, ist diese Zeichnung eine hervorragende Methapher für die überschäumende Kreativität von Guillaume Coutu Dumont, dem Mann hinter dem vermeintlichen Bandprojekt. Der gelernte Perkussionist aus Montréal schafft in seinen House-Tracks einen unglaublich dichten Klangkomsmos, der voller Verweisen auf Funk, Soul, Afrobeat und andere Genres steckt. Seine Musik spielt Coutu Dumont ausschließlich live, entweder solo oder mit seiner Band Guillaume & The Side Effects. Für uns hat der in Berlin lebende Musiker seine Sammlung durchforstet und einen Podcast aus Lieblingsstücken voller Funk und Seele zusammengestellt.

 

Guillaume, du hast erst vor kurzem in einem Interview gesagt, dass du niemals als DJ auftrittst. Was hat dich dennoch dazu motiviert, diesen Podcast für uns aufzunehmen?

Ich habe das schon oft gesagt, das stimmt! Aber um es noch einmal zu betonen: Das war niemals herablassend oder beleidigend gemeint. DJs haben mir über die Jahre hinweg immer wieder die Ohren für neue Musik geöffnet und ich werde die Kunst des DJings immer respektieren. Wenn ich auftrete, dann spiele ich meine eigene Musik. Ich improvisiere, ich remixe, ich zerhacke meine Musik. Ich denke, dass jetzt, wo jeder mit einem Computer Musik spielt, die Grenzen zwischen DJs und Live-Acts nicht mehr so deutlich sind. Ich glaube mich zu erinnern, dass es einen Zeitpunkt gab, als es noch glasklar war, dass ein Typ mit einem Computer auf einer Bühne seine eigenen Produktionen spielt.

Andererseits muss ich mit dem, was ich tue, meinen Lebensunterhalt verdienen. Weil es ab einem gewissen Punkt schwierig wurde, Veranstalter und Clubbesitzer davon zu überzeugen, in ihren Locations Live-Sets zu akzeptieren, habe ich, so weit es ging, versucht, mein Live-Set wie ein DJ-Set klingen zu lassen. Das heißt, ich habe eine Reihe von Stücken produziert, die sehr unterschiedlich sind. Mein Ziel war es dabei, mich den vielen Situationen und Kontexten, denen ich begegne, anpassen und die Geschichte, die ich bei einem Gig erzähle, verändern zu können. In diesem Sinn könnte ich doch ein DJ sein – aber mit Musik, die ich an einem Dienstagmorgen nach einem langen Wochenende selbst gemacht habe.

Der Grund, warum ich diesen Podcast aufnehmen wollte, ist, dass ich in den vergangenen Jahren öfter gebeten wurde, Musik vorzustellen, die ich liebe und die mich inspiriert. Ich sammle und höre ständig Musik und für mich ist dies die einzige Möglichkeit, Songs zu teilen, die ich liebe und die ich in diesem Fall nicht selbst gemacht habe. Das gibt mir das Gefühl, weniger auf mich selbst fokussiert zu sein!

Wie hast du die Stücke für den Mix ausgewählt?

Ich wähle die Stücke immer so aus, wie ich komponiere: Indem ich meinem Instinkt folge. Ich habe festgestellt, dass ich weiter vom eigentlichen Ziel weg lande, je mehr ich einer vorformulierten Idee folge. In diesem Mix finden sich lauter Songs, die mich auf verschiedene Weisen berühren. Ich habe schon immer eine Schwäche für große Stimmen gehabt. Aber unterm Strich ist die Frage immer: Bewegt es mich oder nicht? Und es ist nicht immer einfach, die Gründe dafür zu erklären.

Wo und wie hast du den Podcast aufgenommen?

Das war ein wenig tricky, weil ich in den vergangenen anderthalb Monaten ständig auf Achse war und meine Plattensammlung nicht mitnehmen konnte. Aber ich hoffe, dass mir dennoch eine gute Zusammenstellung gelungen ist! Der Mix wurde also zwischen Berlin, Santiago, Barcelona, London, Ibiza und Köln in Zügen, Flugzeugen und auf Autofahrten zusammengesetzt. Ich habe das ganze dann ich Ableton Live bearbeitet.

Deine neue EP „The Fight Within“ klingt ziemlich fokussiert und geradlinig. Wie sind die drei Stücke entstanden und welche Einflüsse haben auf den Klang der Platte eingewirkt?

Ich stelle wie bereits gesagt immer öfter fest, dass ich immer dann einem erhofften Ziel näher komme, wenn ich mein Gehirn ausschalte. Es ist fast wie bei der japanischen Kunst des Kyūdō-Bogenschießens, bei der du deinem Auge und deinem Instinkt zu vertrauen lernst, um einen Volltreffer zu landen.

 


Stream: Guillaume & The Coutu DumontsThe Fight Within EP (Preview)

 

Das beste Beispiel dafür ist das Stück „Keys for Hanuman“. Ich hatte im vergangenen Herbst sehr viel im Studio gearbeitet und eine Menge neues Zeug gemacht. Dann ging ich auf Tour durch Japan und China und kam einen Monat später wieder. Zurück im Studio öffnete ich alle neuen Projekte, die ich vor meiner Reise begonnen hatte. Dieses Stück war darunter und ich konnte mich überhaupt nicht daran erinnern, dass ich daran gearbeitet hatte. Es war praktisch fertig und dennoch wusste ich nicht mehr, dass ich es angefangen hatte! Normalerweise habe ich ein sehr gutes Gedächtnis. Ich war völlig perplex. Ich hatte schon eine Weile versucht, solch ein Stück zu produzieren und jetzt war es mir gelungen, ohne, dass ich mich daran erinnern konnte. Vielleicht ist das mein neuer Einfluss: Mich selbst aus dem Produktionsprozess auszublenden. Und vielleicht klingt es deshalb auch so geradlinig.

Die EP „The Fight Within“ von Guillaume & The Coutu Dumonts ist bei Circus Company erschienen.

 


 

Download (MP3, 320 kBit/s, 142:45 Min., 235,44 MB)

 

01. Kariem Riggins – Alto Flute
02. Charles Bradley – Strictly Reserved For You
03. Leon and the Burners – Whiplash
04. Aka Wube – Jawa Jawa
05. Ikebe Shakedown – Road Song
06. Dexter Wansel – Life On Mars
07. Arthur Russel – Make 1,2
08. Syl Johnson – I’m Yours
09. Darondo – Didn’t I
10. R.L. Burnside – Jumper On The Line
11. Owiny Sigoma Band – Harpoon Land
12. Taylor McFerrin – Degrees Of Light
13. Mighty Bush (Interlude)
14. Mandre – Dirty Love
15. ORS – Body To Body Boogie
16. Them Two – Am I A Good Man
17. Heliocentrics – Mind Readers (Interlude)
18. Leon Parker – It Is What It Is
19. Third Coast Kings – Black Cat Boogie
20. William Onyeabor – Body and Soul
21. Fat Freddy’s Drop – Blackbird
22. Sly Dunbar – River Niger
23. Connie Price and the Keystones – Fuzz And Them
24. Greyhound – Move On Up
25. Celestial Choir – Stand On The World (Larry Levan Mix)
26. Archie Shepp – Dr. King, The Peaceful Warrior
27. Ferris Bueller – Day Off (Ferris, Ferris Ferris…!)