ELEKTRO GUZZI Observatory (Macro)

Observatory

Es gehört zum feinen Ton beim Erscheinen eines neuen Albums von Elektro Guzzi all unsere Manie über Produktionsweisen in Frage zu stellen. Seit vier Jahren hält das Wiener Trio mit seinen Releases auf dem Berliner Label Macro unserem geliebten Boing Boom Tschak den Spiegel vor. Wie konserviert man die rituelle Club-Stimmung in ein Bandformat? Ist die kraftvolle Live-Energie in das sterile Studio-Setting zu transportieren? Ist die Analog-Digital-Debatte überhaupt noch zeitgemäß? Dabei wird Techno heute mehr denn je vom Habitus, von der Attitüde als durch die Wahl der Maschinen bestimmt. Irgendwie dennoch alte Kamellen, denn Elektro Guzzi vertrauen weiterhin der Trinität aus Gitarre, Bass und Drums. Ihr live performter Techno kommt nicht nur ohne Presets, Loops und Computer aus, sondern darf durchaus als Essenz betrachtet werden.

Dabei entfalten die acht neuen Stücke keineswegs diesen markanten Sog, eher sind die drei Österreicher an weitaus mehr Ecken und Kanten als zuvor interessiert. „Rough Tide“ umweht ein free-jazziges Verständnis, das mit dem Distortion-Crescendo von „Acid Camouflage“ einen kakophonischen Drive erhält. „Trojan Robot“ ist Mikro-Funk im Frickel-Kosmos, so als hätten sich Untold und Laurent Garnier für eine Produktion zusammengetan. Aber das sind dermaßen weit hergeholte Assoziationen, die nicht überschatten dürfen, dass sich Elektro Guzzi in kaum einer Referenzschublade wohlfühlen dürften. Das Trio zieht sein Ding weiterhin rigoros durch und wir dürfen staunend zuhören. Und ja, es darf natürlich auch getanzt werden.

 


Video: Elektro GuzziAcid Camouflage