DE:BUG-ABSCHIED „Das Konzept ist nach wie vor notwendig“

Bild: Collage aus der De:Bug-Ausgabe 100, März 2006

Eine der wichtigsten Stimmen zu den Themen elektronische Musik und digitale Kultur, die es an den Zeitungskiosken im deutschsprachigen Raum zu kaufen gibt, wird Anfang April verstimmen. Wie die Kollegen der De:Bug vergangene Woche bekannt gaben, wird das auch von uns hoch geschätzte „Magazin für elektronische Lebensaspekte“ nach sechzehn Jahren das Erscheinen des gedruckten Heftes mit der Ausgabe Nr. 181 einstellen müssen.

Aus der Konkursmasse der Frontpage heraus wurde das Magazin 1997 von Sascha Kösch, Riley Reinhold, Mercedes Bunz und anderen mit der visionären Zielstellung gegründet, nicht nur die aktuellen Entwicklungen der elektronischen Musik zu dokumentieren und analysieren, sondern auch über die Gadgets, Thesen und Netzwerke der gerade entstehenden digitalen Gesellschaft zu berichten. „Die Zukunft stand vor der Tür und brauchte ein Sprachrohr“, hieß es 2012 rückblickend im Editorial der Jubiläumsausgabe zum 15-jährigen Bestehen des Heftes. Dem stets unabhängigen gebliebenen Sprachrohr De:Bug scheint nun aber der lange Atem auszugehen. Wir sprachen mit Sascha Kösch, De:Bug-Mitgründer, Redakteur und aktueller Geschäftsführer, über die Gründe für das bevorstehende Aus und über mögliche Szenarien für eine Zukunft des Magazins in anderer Form.

 

Sascha, nach der nächsten und voraussichtlich letzten Ausgabe der De:Bug werden viele Leserinnen und Leser das Magazin in den Auslagen der Zeitungskioske schmerzlich vermissen. Was sind die Hauptgründe dafür, dass ihr das Erscheinen des Heftes nach sechzehn Jahren einstellen müsst?

Der Hauptgrund sind die sinkenden Anzeigeneinnahmen. Die meisten wissen es vielleicht nicht, aber Magazine leben eigentlich alle zum größten Teil davon. Unsere Motivation ist nach wie vor die gleiche, unsere Leser beständig, es gibt viel zu viel zu sagen. Aber gerade die großen Firmen, die auch mal eine Anzeige ohne Riesenrabatte schalten, verlassen seit einer Weile die „spitzen Zielgruppen“ – und das sind wir definitiv genau so wie alle Magazine die selbst nur einen Hauch Subkultur in sich haben – auf Papier und suchen die eher Online.

Für das Selbstverständnis der De:Bug spielt die Unabhängigkeit von Verlagen und der Musikindustrie eine große Rolle. Nicht von ungefähr steht die „Selbstbeherrschung“ im Untertitel des Magazins. Warum ist es deiner Meinung nach für unabhängige Printmedien so schwer geworden, auf dem Markt zu überleben?

Unabhängigkeit heißt – es sei denn man hat irgendein Vermögen zu verpulvern – dass man immer schon irre knapp, mit einer großen Portion Selbstausbeutung und furchtbar sparsam handeln muss, weil es das Herz eben so befiehlt. Es ist ja nicht nur für Print schwerer geworden dieser Tage, Musik hat es auch nicht gerade leicht, im Gegenteil. Von der Musikindustrie abhängig zu sein (sprich: von dieser ausreichend Anzeigen zu bekommen), ist ja heutzutage fast schon eine Traumvorstellung. Diese Knappheit führt aber natürlich auch dazu, dass man sich in jeder Form der Weiterentwicklung immer auf Ressourcen verlassen muss, die eigentlich nicht da sind. Aber gerade jetzt ist eigentlich die Zeit in der man öfter investieren müsste, in eine ungewisse Zukunft, damit eins der möglichen Projekte vielleicht funktioniert.

Als gedrucktes Magazin eine Schnittstelle zu elektronischer Musik, digitaler Kultur und Politik zu bilden, war von Anfang an die Vision der De:Bug. Hat die digitale Revolution der Medienlandschaft dieses Konzept überflüssig gemacht oder hältst du es noch immer für zeitgemäß?

Nein. Ich denke, das Konzept ist nach wie vor notwendig. Die Themen rings um digitale Revolutionen werden vielleicht alltäglicher. Die Hintergründe, die Notwendigkeit da durchzublicken, die Schnittstellen zu finden, an denen all das produktiv für einen selber umgesetzt werden kann, aber auch wie man das ganze theoretisch verortet, ja selbst ein Blick in die Zukunft, und liegt sie noch so nah, ist eigentlich wichtiger und schwieriger denn je. Klar, muss man sich als Magazin im Rahmen der Veränderungen mit verändern und manche Dinge sind sicher im Netz weitaus besser aufgehoben als in einem Heft.

Das Heft hat in seiner Geschichte mehrere Metamorphosen durchgemacht: von „Buzz“ zu „De:Bug“, vom werbefinanzierten Heft zur Kioskausgabe, vom Zeitungs- zum Magazinformat. Wie groß stehen im Augenblick die Chancen, dass ihr in anderer Form weitermachen könnt?

Zur Zeit forschen wir ‚rum welche Möglichkeiten es geben könnte, das Magazin auch in Print in irgendeiner Form weiter zu machen. Vielleicht ergibt sich etwas, aber nichts ist sicher. Vielleicht erfinden wir ein anderes Magazin, vielleicht wird De:Bug ein digitales Magazin, vielleicht finden wir ein ganz anderes Format, das noch nicht erfunden wurde.

Als ihr in der vergangenen Woche den bevorstehenden Abschied der De:Bug öffentlich gemacht habt, wurde in den Kommentaren auch eine Crowdfunding-Kampagne zur Rettung des Heftes vorgeschlagen. Wäre das eine realistische Option für euch?

Ich befürchte, wenn man jeden Monat um die neue Ausgabe via Crowdfunding „betteln“ muss, egal wie gut ich Crowdfunding als solches finde, dann werden die Funder irgendwann schnell müde. Eigentlich ist ein Abo ja das seit Ewigkeiten etablierte Crowdfunding von Zeitungen. Sollte man als Leser vielleicht einfach so sehen und seine Lieblingszeitungen so schnell wie möglich abonnieren, bevor die nächste verschwindet.