INTERVIEW Dinky über ihr neues Album „Dimension D“

Ganze fünf Jahre sind seit dem letzten Album von Alejandra Del Pilar Iglesias Rivera alias Dinky vergangen. Nun meldet sich die gebürtige Chilenin mit Wohnsitz in Berlin mit zwölf neuen Tracks zurück und veröffentlicht ihre fünfte LP bei Visionquest. Dimension D repräsentiert Dinkys Entwicklung zur Sängerin und Songwriterin und wurde von ihrem Ehemann Matthew Styles koproduziert, der auch einen Remix zur Single „Falling Angel“ beigesteuert hat. Wir sprachen mit Dinky über die Arbeit an ihrem neuen Album, die Live-Umsetzung der Platte, ihre neue Label-Heimat und die Zusammenarbeit mit Matthew Styles. Außerdem gibt es Dimension D eine Woche lang bei uns im Stream zu hören. (Der Album-Player befindet sich am Ende des Beitrags.)

 

Dinky, bei deinem Album liegt der Fokus eher auf Songs denn auf reine Tracks. Ist das eher ein einmaliges Experiment oder willst du deinen Stil auch weiterhin in diese Richtung entwickeln?

Ich werde diese Richtung für meine nächsten Alben auf jeden Fall beibehalten. Ich glaube, so viele Sachen, die man als Künstler macht, starten zunächst als Experiment. Und dann stellt man fest, dass es nicht nur für einen selbst, sondern auch für das Publikum funktioniert und alle glücklich machen kann. Für mich ist das das Wichtigste, ich mag es und das Publikum nimmt es gut an, also werde ich auch weiterhin Songs schreiben und singen, aber ich werde nicht damit aufhören Dance Music zu produzieren. Ich denke auch nicht, dass Singen & Songschreiben und Club Music strikt getrennt sein müssen, fast so als wären es zwei unterschiedliche Planeten.

Wie wirst du dein neues Album denn live umsetzen? Wirst du alleine auf der Bühne stehen oder eine Band dabei haben?

Ich würde es liebend gerne live mit einer kompletten Band auf die Bühne bringen, aber zurzeit ist das noch ein bisschen unrealistisch. Ich bin bekannt als Clubkünstlerin und Visionquest als Clublabel, wir haben beide das Risiko in Kauf genommen, ein Album zu präsentieren, das nicht gerade sehr clubby ist. Aber die Leute brauchen auch erstmal Zeit, das zu verdauen und den Wechsel mitzumachen, also müssen wir einen langsamen Übergang hinbekommen.

Viele Promoter sind lediglich an DJ-Shows interessiert, es ist für sie weniger Arbeit und wirtschaftlich besser, es ist auch weniger Arbeit für die Agenturen, den Künstler selbst, es gibt keinen Soundcheck, nicht übermässig viel Gepäck, keinen FOH-Bereich, die Sets sind länger – und ewig so weiter. Deshalb gibt es so viele DJs, Bands sind zu teuer im Vergleich zu einem DJ heutzutage, doch für mich ist es oft spannender eine Band zu sehen, darum bin ich auch dazu bereit, mehr für ein Konzert zu bezahlen.

Aber zurück zur Frage: Ich plane momentan erstmal eine Solo-Live-Show, mache aber auch viele Sachen zugleich, was alles nicht gerade einfacher macht, aber es wird schon klappen. Vielleicht höre ich vorerst damit auf, jedes Wochenende aufzulegen, zumindest für eine Weile, nur noch wenige Auftritte im Monat, damit ich mich auf mögliche Live-Gigs konzentrieren und hoffentlich auch jemanden mit auf Tour nehmen kann. Geduld ist da erstmal am wichtigsten.

 


Video: DinkyFalling Angel

 

Abgesehen von den Vocals und den eher Song-orientierten Strukturen auf Dimension D: Was sind für dich die größten Unterschiede im Vergleich zu deinen bisherigen Alben?

Es gibt definitiv mehr Harmonien, vorher habe ich mit vielen Dissonanzen und abstrakten, atonalen Klängen gearbeitet. Jetzt ist alles viel musikalischer, es gibt einige Akkorde und Harmoniefolgen, keine Tonartwechsel, aber mehr Songtheorie, die in die Struktur der Lieder eingeflossen ist.

„Falling Angel“ (Album Version) hat sogar einen C-Part, ich habe bisher nie mit solchen Konzepten gearbeitet. Ich glaube, einer der Hauptunterschiede, abgesehen vom Gesang, ist, dass ich einige Instrumente nun auch live spiele. Ich benutze in jedem Song meine E-Gitarre über einen Verstärker mit einem Pedal von Eventide, das habe ich zuvor noch nie gemacht. Aber seitdem die Gitarre zu solch einem wichtigen Tool in meinem Leben wurde, musste sie einfach auch auf dem Album zu hören sein.

Für dieses Album hast du mit deinem Mann Matthew Styles zusammengearbeitet. Wie läuft eure gemeinsame Arbeit im Studio, und wie sehr beeinflußt Matthew deinen Sound?

Ich habe das Album selbst geschrieben, aber Matthew half mir bei einigen technischen Fragen. Ich muss alleine sein, um Songs zu schreiben und meine Gesangs-Entwürfe zu machen, manchmal brauche ich über drei Stunden, nur um den richtigen Bass-Sound zu finden, also gehe ich den Leuten im Studio immer eher auf die Nerven, ich bin ein bisschen eine Perfektionistin und kann mich schnell in etwas hineinsteigern, also arbeite ich anfangs immer lieber alleine, wenn es um meine Solo-Sachen geht.

Am Ende kam dann Matthew hinzu und fügte ausgewählte Elemente zu einigen Songs hinzu, gab mir Ratschläge bei bestimmten Arrangements und half auch, die finalen Vocals aufzunehmen. Manche Dinge klappen einfach besser zu zweit, zum Beispiel das Mikrofon oder die Verstärker einstellen, solche Dinge.

Wir haben das Album gemeinsam abgemischt, doch er saß am Mischpult, bediente die EQs. Die Vocals und Gitarren brauchen immer viel nachträgliche Arbeit um gut zu klingen, und er kann das einfach sehr gut. Matthews mixt jede Woche so viele Platten von den unterschiedlichsten Künstlern – die Leute lieben seine Arbeit. Er war auch sehr geduldig, wir haben viele Versionen der Songs aufgenommen und auch viel zusammen gelernt. Ab jetzt arbeiten wir bestimmt viel besser gemeinsam an neuer Musik.

Bisher erschien jedes deiner Alben auf einem anderen Label. Warum hast du dich dieses Mal für Visionquest entschieden – oder sie sich für dich?

Beides. Ich brauchte ein Label, das einen eher alternativen Geschmack in Sachen Musik hat, doch ich wusste, dass es nicht einfach sein würde, von einem meiner liebsten Indie-Label unter Vertrag genommen zu werden, also dachte ich, dass Visionquest das perfekte Zuhause wäre. Sie waren für mich eine gute Alternative um auf meinem neuen Weg gehört zu werden, sie haben einen großartigen Label-Manager, der sehr erfahren ist und auch das war wichtig für mich. Seth (Troxler) liebte die Musik seit er sie das erste Mal vor knapp drei Jahren hörte. Es fühlte sich einfach richtig an, das ganze mit ihm zu machen. Ich hatte andere Label-Angebote, aber sie alle wollten, dass ich mehr in Richtung Dance Music gehe. Visionquest hingegen gab mir völlige Freiheit, das zu machen, was ich wirklich will.

Dimension D von Dinky ist bereits bei Visionquest erschienen.