DEPECHE MODE Delta Machine (Sony)

Mit Plattencovern, Live-Shows, Remixen, Fotos und Videos erschufen Depeche Mode ein ähnlich umfassendes Gesamtkunstwerk wie New Order oder die Pet Shop Boys. Trotzdem beherrschten sie die Jugendzimmer des Planeten wie keine andere Band: Der Kontrast der kalten, forderndenen, elektronischen Klänge und der Naivität und Nacktheit der Stimme Dave Gahans war kaum zu überbieten. Gleichzeitig produzierten sie eine direkte Vorlage für den Techno der Neunziger: Mit ihrer cleanen Klangästhetik entwickelten sie den entscheidenden Gegenentwurf zum Noise von Postpunk und Industrial. Diese Brisanz haben sie schon Anfang der Neunziger eingebüßt. Seit dieser Zeit erscheint alle vier Jahre ein von einer World Tour begleitetes Album. Seit dem Vorgänger hat sich nicht allzu viel geändert: Delta Machine wurde wieder von Ben Hillier produziert. Mit ihrem größten Problem kämpfen Depeche Mode seit fast zwanzig Jahren: Dave Gahans Gesang. Früher funktionierte seine Stimme als eine Art Leinwand, als Projektionsfläche, welche die Songs und die Empfindungen der Hörer eins werden ließ. Diese Durchlässigkeit entsteht nur noch in Momenten. Gahan hilft es – und das ist die gute Nachricht im Bezug auf Delta Machine –, dass die Band weniger als bisher die bombastische Stimmung ihrer Stadion-Konzerte mit ins Studio nimmt.

 


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