ULRICH SCHNAUSS A Long Way To Fall (Scripted Realities / Domino)

Weite Flächen, ein großes Echo, endloser Hall. Dazwischen kleinere, verspielte Sounds, eingewebt in flimmernde, ambiente Beats, die all das rhythmisch zusammenhalten, sich aber nie in den Vordergrund drängeln. Denn dort muss bei Ulrich Schnauss immer genügend Raum für ein Rascheln, Knistern, Blubbern und Surren bleiben. Zunächst scheint es so, als breche A Long Way To Fall leider nur viel zu selten die meist wohlbesonne Stimmung der insgesamt zehn Tracks auf, alles ist nett, heiter, auf Dauer beinah nervig gut gelaunt. Doch mit jedem weiteren Hördurchgang entdeckt man mehr und mehr düstere Winkel im Schnauss’schen Klangkosmos. Etwa bei „Broken Homes“, „Borrowed Time“ oder „A Ritual In Time“, die weit weniger in den Kitsch zu kippen drohen als so manch andere Stücke des Albums. Allerdings hätte diesem noch ein wenig mehr Finsternis gut gestanden, auf diese Weise vielleicht sogar einen tollen Soundtrack für den anstehenden Winterblues abgegeben. Doch am Ende wirkt A Long Way To Fall wieder einmal leicht überzuckert und lässt einen satt, aber mit flauen Gefühl im Magen zurück.

 


Video: Ulrich SchnaussA Ritual In Time And Death

  • Andreas Tölle

    Wenn man mal den ganzen Hall wegnimmt, bleibt leider nicht mehr viel. Schade.

  • Dominique

    Hallo zusammen,
    wenn ich mal davon absehe, dass sich in vielen Belangen nicht so viel im Schnauss’schen Klangkosmos seit zehn Jahren getan hat, dann ist dies das Album, dass mich zum ersten Mal wirklich überzeugt.
    Irgendwie ist das eine runde Sache. Musikalisch bzw kompositorisch nicht die Offenbarung, aber es passt. Bei ihm hatte ich immer wieder diesen Effekt „klingt cool, aber irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch“. Diesmal auch kein Hànger dabei und die Stimmung passt von Anfang bis Ende.
    Also für mich ein etwas nostalgischer, aber grosser Wurf !
    A propos: das ist oft kein Hall..