SOUND MUSEUM Neun Analogsynthesizer, die die elektronische Musik geprägt haben (Teil zwei)

Text: Bob Humid, Fotos: Katja Ruge
Erstmals erschienen in Groove 95 (Juli/August 2005)

Roland TB-303 (Foto: Katja Ruge)

ROLAND TB-303 BASS LINE

Das kleine unscheinbare, silberne Kästchen mit der Typenbezeichnung TB-303 Bass Line ist nicht weniger als der technologische Urahn von Acid. Begonnen hat der Kult um diesen handtaschengroßen, monophonen Bass-Sythesizer mit Phutures „Acid Trax“. Viel kann die 303 eigentlich nicht, und tiefe Bässe schon mal gar nicht. Dennoch könnte man diese komplette Seite hier mit Namen elektronischer Projekte kleingedruckt füllen, die ihren mal quäkenden, manchmal zirpenden, gelegentlich wuppernden und oft sägenden bis schreienden Sound auf ihren Scheiben verewigt haben. Es gab mal eine Zeit, in der jeder eine 303 besitzen wollte. Warum Roland noch nie eine Neuauflage dieses Geräts herausgebracht hat, ist und bleibt ein ungelöstes Rätsel.

Produktionszeitraum: 1982 – 84
Nutzer: neben allen Acid-Produzenten u.a. auch Pet Shop Boys, Air, Fatboy Slim…

 


 

OSCAR

Chris Hugget ist der Exot unter den Synthesizer-Entwicklern. Aus seiner idealistischen Entwicklungsschmiede Electronic Dream Plant stammt bereits der ebenfalls durchgeknallte Wasp-Synthesizer. Wäre OSCar kein Synthesizer, sondern eine Person, müsste man ihn folgendermaßen beschreiben: OSCar ist ein typisches 80er-Jahre-Kind, very british, leicht schizophren (digitale Klangerzeugung, analoge Filter) und ein Exot par excellence. Er ist recht unpragmatisch und eigen zu bedienen, und klangtechnisch tendiert er eher in Richtung Wahnsinn. Komplexes Gerät verlangt komplexen Piloten. Ebenso verwirrend sind die vielen erhältlichen Betriebssystemversionen des Geräts.

Produktionszeitraum: 1983 – 86
Nutzer: Stevie Wonder, Jean-Michel Jarre, Ultravox, S-Express

 


 

OBERHEIM OB-8

Oberheims Flaggschiffe wie zum Beispiel der OB-8 waren für Synthesizer-Freaks so etwas wie die Essenz von Sexiness, Cockpit-Ersatz und Statussymbol in Maschinenform schlechthin. So erzeugte der OB-8, einer der letzten großen Analogsynthesizer bei Produktvorstellung reihenweise Ohnmachten bei jenen, die ihn mal eben angespielt hatten. Kaum ein anderer Analogsynthesizer klang hochwertiger und kraftvoller und bot gleichzeitig eine kaum begreifbare Vielfalt an Modulationsmöglichkeiten (quantisierbare LFOs!). Wer damals einen Oberheim OB-8 im Studio stehen hatte, nahm seinen Kunden selbstverständlich 50 Mark und mehr pro Stunde dafür ab. Allein weil der da ehrfurchtsgebietend rumstand.

Produktionszeitraum: 1983 – 85
Nutzer: Meat Beat Manifesto, Soul II Soul, KLF, The Orb

 


 

NATIVE INSTRUMENT PRO-53 / SEQUENTIAL CIRCUITS PROPHET-5

Seit einigen Jahren haben virtuelle Synthesizer die Herrschaft in den meisten Studios übernommen. Der Prophet-5 von Sequential Circuits war dabei einer der ersten, die auf gelungene Weise als Software realisiert wurden. Seine virtuellen Pendants heißen Pro-5, Pro-52 und Pro-53 und wurden im Jahre 2000 von der wegweisenden Audioschmiede Native Instruments realisiert. Das Plug-In klingt ein wenig dünner, aufgeräumter und brillanter als das Original, dennoch ist die Emulation des Prophet-5 sehr nah am Original. Der Sequential Prophet war ein sehr populärer Solo-Synthesizer, der in Sachen Druck für viele immer noch die erste Wahl darstellt. Besonders für Drum’n’Bass-Bässe oder schneidende Solo-Lines eignet er sich gut. Seine fünfstimmige Polyphonie prädestiniert ihn aber auch für originelle Flächen, und im Unisono-Modus kann man mit dem Prophet-5 die Straße aufgraben. Kaum ein anderer Synthesizer fügt sich übrigens so trefflich in die Produktionsumgebung ein.

Produktionszeitraum: seit 2000
Nutzer: Soft Cell, Gary Numan, New Order, Cassius, Richie Hawtin

 


Teil eins: Moog Minimoog, Arp Odyssey I-II, Korg MS-20, Roland CR-78, Roland Jupiter-8