JACASZEK Glimmer (Ghostly International)

Ambient ist zurück. So weit, so gut. Aber epochale Trendverortungen lohnen nicht immer, und in diesem Zusammenhang mag die Feststellung genügen, dass zur Stunde wieder viel Musik veröffentlicht wird, die sich dezidiert der Produktion von Stimmung und Atmosphäre widmet. Dabei öffnet sich wiederum das Feld für eine Vielzahl unterschiedlicher stilistischer Entwürfe und bietet damit die Möglichkeit, auch einen Sonderling wie Michal Jacaszek unter dem Begriff „Ambient“ zu verhandeln. Das Spezielle am Sound des polnischen Musikers liegt in der Art und Weise, wie seine elektroakustischen Kompositionen sich über verschiedene Stilarten ausstrecken und Verbindungen eingehen, ohne dabei ein festes Zentrum zu etablieren. Neben engmaschigen Synthietexturen und Feldaufnahmen von Wind und Wellen finden sich jede Menge Einflüsse klassischer Musik, die durch zahlreiche Brüche auch die Grenzbereiche zur Neuen Musik berühren. Ein reichhaltiges Instrumentarium, das neben Streichern und Holzbläsern auch ein Cembalo, ja sogar Flamenco-Gitarren in friedlicher Koexistenz integriert, kultiviert nicht nur Idiosynkrasien, sondern schafft zudem intensive, meist extrem düstere Atmosphären. Klassische Schönheit zeigt sich immer nur durch knisternde und rauschende Schleier, die sich in den größten Momenten des Albums als zersetzendes Crescendo über die Harmonien schieben und neue Klangerlebnisse ermöglichen. Sehr eigenes, sehr dichtes Album.

 


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