DIVERSE The Wurst Music Ever (Wurst Music)

Dass New York, und insbesondere Brooklyn, seit geraumer Zeit wieder über eine quirlige und interessante Szene verfügt, die dem Genre House neues Leben einhaucht, hat sich längst herumgesprochen. Die Wolf+Lamb-Clique durfte sich zuletzt nicht über mangelnde Beachtung beklagen, wobei deren musikalischer Output etwas vorhersehbar geworden ist. Ganz anders ist da Roy Danks Label Wurst gestrickt, das mit T h e  W u r s t  M u s i c  E v e r nun eine erste Compilation mit durchweg neuem Material vorlegt – und die ist rundum gelungen. Zwischen Anklängen an klassischen Disco-Sound, Funk-Erdung, Pianohimmel, Murk-Boys-Anklängen, Nineties-New-York-House-Referenzen, Post-Twilo-Pump-Beats oder Balearischem gibt es hier eben nicht den einen Wurst-Sound. Und genau das ist das Erfrischende und Sympathische am Label von Roy Dank, der als DJ unter dem Namen My Cousin Roy unterwegs ist und Wurst inzwischen auch als Modemarke eingeführt hat. Gegründet wurde es bereits 2006 in Brooklyn als Wurst Edits. Damals standen noch Re-Edits von obskuren Disco- oder Punk-Funk-Tracks auf dem Programm. Lee Douglas oder Runaway lieferten diese bei Wurst ab. 2009 wurde aus der Edit-Klitsche die Wurst Music Co.

Inzwischen sind zwölf Maxis von Leuten wie Brennan Green, der Neurotic Drum Band, Nick Chacona, Native Underground oder Eli Escobar erschienen. Da waren durchaus tolle Veröffentlichungen darunter, doch T h e  W u r s t  M u s i c  E v e r darf man als große Überraschung bezeichnen. Nummern vom Kaliber des P-funkigen „Help Yourself“ vom New-Jersey-Duo Pink Stallone oder der famosen Chicago-Style-Hymne „I Can’t Help It“ von der aus Portland, Oregon stammenden Houseband The Miracles Club hört man nicht alle Tage. Ganz groß ist auch der oldschoolige MPC-Soul-Sample-Track „That’s The Thing (To Do)“ von Great Weekend, einem Pseudonym des einstigen Common-Produzenten Anthony „Tone“ Khan. Midnight Magic haben den Native-Underground-Song „Push 4 Love“ gecovert, die Mark-E-Entdeckung Chicago Damn überzeugt mit subsonischen Bässen und an frühe Strictly-Rhythm-Tage erinnernder Deepness.

Man kommt aus dem Schwärmen gar nicht heraus, die grandiose Murk-Boys-Hommage „Reach“ von soho808 feat. Safiyah aus New York sei weiterhin hervorgehoben. Und so lässt sich auch der eine schwache Moment von Nick Chacona und Anthony Mansfield locker wegstecken. Einige der Protagonisten mögen viel Zeit in Second-Hand-Plattenläden verbringen, doch T h e  W u r s t  M u –
s i c  E v e r
steht nicht für eine Retro-Agenda. Wir ziehen den Hut vor einer wirklich schönen Compilation, die obendrein einige neue Namen einführt, die man fortan auf dem Zettel haben muss.

 


Stream: Chicago DamnRomcom