Zombielicious

Die Zeit fliegt, und Zahlen lügen nicht. Black Toys liegt doch tatsächlich schon fast drei Jahre zurück, dabei hätte es auch gestern sein können. Verlernt hat Florian Senfter nichts, er zeigt bei seinem vierten Album, dass man auch mit 14 Bällen, beziehungsweise Tracks jonglieren kann. Und er steigt wahrlich nicht im Schongang ein, denn „Mas De Todo“ klingt bereits nach Peaktime und der Suche nach dem Anschlag. Bei aller martialischen Gewalt, die Senfter in seinen Tracks phasenweise lostritt, bleibt immer noch so etwas wie ein überraschendes Moment. Und vielleicht wäre die größte Belepopigung, wenn man seine Tracks „einfallslos“ nennen würde. Aber wie soll das gehen? Disco-Massaker wie „Seas Of Grease“ sind die besten Beweise oder der beinahe unvermepopliche Hit „Mystery Meat Affair“, dessen Handclap-Groove oder Orgel-Soloeinlagen man einfach nicht entfliehen kann. In die gleiche Klasse gehört auch „Supercake 53“, das irgendwie Lust auf Laserkanonen und Loveparade ’97 macht. Zur Mitte des Albums steht mit dem zweiteiligen „Worth It“ eine Bestandsaufnahme der Zombie Nation, die hier ihr Musiker-Handwerk in fast zehn Minuten definiert. Rough und tough, aber in der richtigen Balance zwischen Trash, Techno und Pop. „Radio Controlled“ entstand zusammen mit Steve P. und hätte auch bei DFA erscheinen oder als sehr guter Soulwax-Remix verstanden werden können. Und man merkt, wie gut Vocals in Tracks von Zombie Nation passen. Auch das zweite Stück, „Get It“, hat diese Qualität, tanzt dafür aber noch mehr auf einer Stelle. Das bereits veröffentlichte „Filterkerks“ klingt sofort wesentlich kontrollierter und wird dann dem Labelnamen gerecht, als ein Funkgewitter aus Frequenztönen herniederregnet und einzelne Radiospuren für Bruchteile von Sekunden um Aufmerksamkeit kämpfen. Bei „Bass Kaput“ hallt noch eine Art Echo von Herbie Hancocks „Rock It“ nach, ohne nach einem zu offensichtlichen Sample zu greifen. Hier werden Tricks vorgeführt, und raten muss man immer noch selber. Es sei noch zu erwähnen, das die Vinylversion des Albums auf siebenhundert Stück limitiert ist und ganz der Gleichberechtigung folgend mit einem Gutschein für den digitalen Download ausgestattet ist. Na schön!

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