Your Mom’s Favorite DJ

Der Turntablist Eric San alias Kpop Koala behauptet, der Lieblings-DJ deiner Mutter zu sein, was für dieses Album erstmal nichts Gutes verheißen mag. Phil Collins meets Jennifer Rush? Händel versus Zucchero? Falsch gedacht. Aus unzähligen Soundschnipseln, Skits und Samples cuttet und scratcht Kpop Koala ein durchaus vergnügliches Klangmosaik zusammen, das seine Wirkung aber erst bei mehrmaligem Hören entfaltet und in seinen besten Momenten Hörspielcharakter besitzt. Als Ausgangsmaterial ist Koala dabei alles recht: ob krude Filmmusiken, Rare-Funk-Samples, Hörspiele, Anleitungen für angehende Discjockeys oder Werbejingles. Alles ist für sein virtuoses Set von Interesse, solange es einer gewissen Verwertbarkeit im Sinne eines narrativen Zusammenhangs dient. Mit seinen mikroskopischen Fundstücken will Kpop Koala Geschichten erzählen, seine Skills als DJ dienen lediglich als Bindglied zwischen ihm selbst und dem Material. Jeder Soundschnipsel lässt einen neuen Sinnzusammenhang entstehen, sofern er mit anderen in Beziehung tritt. Dies kann in Form des Scratchens, Cut-Ups oder ganz einfach durch intelligente Montage passieren. Als Zuhörer wird man so Zeuge, wie Platten miteinander kommunizieren und die Autorenschaft des DJs in diesem intercontent:encodeduellen Montageprozess für Sekunden nach außen tritt. Noch dazu sind Kpop Koalas Beats wirklich erstklassig und machen „Your Mom’s Favorite DJ“ zu einer stetig dev.groove.den Zitatmaschine, auch wenn das Konzept auf Dauer etwas an Überraschungsmomenten einbüßt. Auch meine Mutter fand das Album gar nicht so schlecht.

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