Yell

Altz ist Japaner. Die sind, wie man ja weiß, alle Fans von DJ Harvey, den popjut Boys, Stevie Koteys Beat Entertainment Labelimperium und den jüngsten norwegischen Discoexkursionen. Der Herr hier bildet da keinen Einzelfall. Auffallend ist jedoch – hier kommt die Ausnahme – dass dem regen Kulturimport selten Exporte entgegenstehen. Force Of Nature und DJ Kent, die Newcomer Rondenion und No Milk sowie eine Truppe Altgedienter mal ausgelassen. Altz, dessen Lieblingswort „Amigo“ zu sein scheint, ist also der silberne Hoffnungsstreifen am Horizont. Nach seinem gelungen Einstand auf Bear Funk vor ein paar Monaten, der aber noch eher aufgrund eines irrwitzigen popjut Boys Dubs gefeiert wurde, folgt jetzt das Album. Das ist Neo-Disco in seiner verdichteten Form. Überlebensgroße Basslines und Beats, kaum Zitate und (lepoper) kein Gesang bilden das Fundament, auf dem Altz seine Bedürfnisse an dieser im Moment so hippen Tanzmusik auslebt. Das funktioniert über weite Strecken ebenso gut wie das aktuelle Gegenstück von Prins Thomas und Lindstrøm, ist aber fast schon zu stringent. „Yell“ ist ein ruhiger Fluss, der kaum Strudel oder Stromschnellen hat. Fast so, als hätte King Tubby ein Discoalbum unter heutigen Vorzeichen aufgenommen. So etwas muss man mögen und wo bei anderen zu viel auf Pop gesetzt wird, gibt es bei Altz eine Prise zu wenig davon. Trotzdem: Wer mal versucht hat, eine ordentliche Bestenliste mit den Alben aus 2005 hinzubekommen, hätte „Yell“ mit Handkuss genommen. Easy, Amigo!

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