World I See

The Present bezeichnet auf Englisch sowohl Geschenk als auch Gegenwart. Das Geschenk der Gegenwart, Gegenwart als Geschenk. Präsent. Als gegenwärtiges Projekt des New Yorker Musikers Rusty Santos (Panda Bear, Born Ruffians, Animal Collective) ist man beim Hören schnell geneigt, die Musik wegen ihrer Experimentierfreude beeindruckt zu loben – als freejazzig expressive Utopie gegen das dominant beschränkte Konzept von Gegenwart. Das kommt von der meditativen Komplexität seiner Sounds, deren Kunst bei Nichtmusikern Eindruck schindet: Jetzt kommt eine Kunst. Der title World I See weist in diese künstliche Dimension. Dass „freejazzig“, „kunstvoll“, „experimentell“, so schön es in Worten klingt, nicht direkt der Poesie alltäglicher Tätigkeiten wie Arbeiten, Einkaufen, Streiten, Schlafen nahe kommen, merkt der Gegenwart radikal Denkende spätestens beim nächsten Kontoauszug. Aber es gibt eine Schönheit, besonders in „Africanized Beatniks“, welche nicht bloß im sprachlichen title an das Geschenk Gegenwart in undergroundig jugendbewegten Kreisen erinnert und diese in den zeitlich sozialen Vordergrund spült, wo diese Vorstellung kollektiv, im Plural, als Gegenwart in Musik radikal offen gemacht wird. Das ist das unfertige, offene Geschenk, dessen Gegenwart diese Musik in „der Gegenwart“ produziert.

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