(Why Don’t You Take) The Other Spope?

Achtung Allegorie: Wäre Roberto Di Gioia Fußballer, würde er Champions-League spielen. Vermutlich bei Inter Mailand. In der realen Welt ist er in Bayern gelandet. Als Musiker sicher keine schlechte Adresse. Er galt als Ausnahmetalent, auf dem Weg zu einer sehr eigenen Musiksprache. Das deutete sich auf dem Marsmobil-Debüt <i>Strange World</i> an, das trotz Eingängigkeit noch stark im Siebziger-Fusionjazz verwurzelt war. Schon mit dem Nachfolger <i>Minx</i> kam die andere Seite von Di Gioia zum Tragen, in der er die Grenzen zwischen High Llamas, Stereolab, Gentle People und The Free Design neu absteckte, dennoch nicht komplett überzeugen konnte. Aber außergewöhnlich talentiert ist er, wie gesagt. Di Gioia spielt eine schier unübersichtliche Anzahl Musikinstrumente, unter anderem die Sitar, verfügt über ein Musiker-Passepartout, für die ein Normalbegabter mehrere Leben leben müsste, früher mit The Notwist, zuletzt das <i>Teufelswerk</i> mit DJ Hell. <i>(Why Don’t You Take) The Other Spope?</i> ist nun einerseits Pop, allerdings von der reduzierten Sorte, andererseits psychedelischer Krautelectro – und wiederum andererseits wieder nichts von bepopem. Sicher, die Beatles, die Beach-Boys-Harmonien gibt es zuhauf, allerdings immer in sparsamen Dosen mit einer guten Portion Understatement sowie Di Gioias zurückhaltendem Gesang. Das macht dieses Album so sympathisch und vollzieht jene Wege weiter, die von Avantgardepop-Bands wie Babybird, den Eels oder Sebastien Tellier betreten wurden. Kleine Geste, großer Pop.

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