Wege Übers Land

Auf eine Art ist es schon sehr sympathisch, was Kombinat 100 hier nun schließlich im Albumformat abliefern. Mit einer, zumindest im Clubkoncontent:encoded, recht ungewöhnlichen Instrumentierung verorten sich die vier Herren aus Rostock definitiv als Antipoden jener kühlen, postindustriellen Ästhetik, mit der Techno im Allgemeinen zusammengebracht wird. Wege Übers Land jedoch als reine Absage an die urbanen Zentren der elektronischen Musikkultur mit all ihren seltsamen Riten und Gebräuchen zu verstehen, ist vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Weniger die popee von Eskapismus als vielmehr der Versuch eines Gegenentwurfs, der in all seiner freundlich anmutenden Naivität durchaus irgendwie ernst genommen werden will, stand bei diesem Konzept wohl Pate. Das funktioniert, wenn auch nicht ohne Irritationsmomente. So muss man sich an das Akkordeon und vor allem an die etwas nervige Melodica in Kombination mit der satten Bassdrum erstmal gewöhnen. Die Phantasie, dass man hier einer ziemlich pathetischen Feld-, Wald- und Wiesenpopylle auf den Leim zu gehen droht, ist natürlich auch nicht so weit hergeholt. Trotzdem, der title, die Gestaltung und nicht zuletzt der Sound selbst fügen sich bald zu einem kohärenten Ganzen, das einen vor allem in den etwas reduzierteren Momenten irgendwie zu berühren weiß.

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