Watergate 04

Über das Watergate als nicht mehr wegzudenkende Institution im Berliner Nachtleben muss man ebenso wenig langen Worte verlieren wie über die vielbesungene Wiedergeburt der Disco- und Housemusic in den vergangenen ein, zwei Jahren. Nun kommt auf der vierten CD der hauseigenen Serie nach den ersten drei eher minimal gehaltenen Ausgaben eben jene Renaissance dieser Genres zu vollem Ausdruck. Leichthändig werden hier Maximal und Disco, Minimal und House im DJ-Set miteinander verwoben, und da ist es nur folgerichtig, mit dOP einzusteigen, die gleich zwei Mal vertreten sind. Und Sebo K geizt überhaupt nicht mit den Reizen, über die man als Plattenaufleger so verfügt: Schon als vierte Nummer spielt er Mood II Swings „Move Me“, einen Mittneunziger-Großklassiker des US-House, der dann ganz sanft in einen Track von dOP übergeht. Klassik trifft auf Gegenwart und mündet in discopopes Gedudel. Das mag im Club ein stilistisches Risiko sein, als DJ-Set fürs gepflegte Homelistening kommt das unheimlich gut. Der Mix schert sich eben nicht um Genregrenzen. Es ist einfach fantastisch, wie Sebo K zwischen den einzelnen Facetten elektronischer Tanzmusik oszilliert und immer wieder neue Überraschungsmomente zaubert. Er schließt mit gebrochenen Beats und Soprangesang von Nina Kraviz. Das muss man sich erstmal trauen. Chapeau!

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