Tierbeobachtungen

Ein Track heißt „Up To My Same Old Trick Again“. Auch auf dieser Platte ist das typisch Jelineksche Flimmern am Werk: Die gemächlich an- und langsam wieder abschwellenden Stücke wirken über weite Strecken wie ein gleichmütiger, gleichmäßiger Musikfluss, dessen einzelne driftende Bestandteile jedoch ständig fast verschluckt werden in abgeschirmten Flecken der Szenerie, um an mäßig belichteten Stellen sofort wieder matt aufzuflackern. Die einzelnen Sounds, die diesmal nicht aus dem Populärmusikarchiv gesamplet, sondern (teils mit skurrilen Vintage-Instrumenten wie dem Guitaret) eingespielt wurden, bewegen sich wie verhuschte Schatten im Halbdunkel eines mysteriösen Settings. Man weiß nicht so genau, was los ist, irgendwo scheint es zu lodern, Krautrock könnte eine Rolle spielen, aber statt Freakouts sind höchstens gedämpfte Überbleibsel eines bereits verhallten Ausrastens zu hören. Die Musik klingt verwickelt aber distanziert, nach einer Meta-Intensität voller Empathie, einem angeregt forschenden Versuch, irgendwie drin und gleichzeitig draußen zu sein. Diese Vertonung des körperlich-kognitiven Dschungels namens Beobachterparadoxon ist nicht ironiefrei. Auch die GEMA kriegt einen Auftritt in einem Tracktitle.

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