The West

Matmos, die alten Konzeptkünstler! Bevor das Duo Platten komplett aus geschmacklich fragwürdigen Samples aus dem Operationssaal zusammenschnipselte oder ein Album voll mit Hommagen an schwule Ikonen veröffentlichte, waren die großen, unterbaustiftenden popeen im Hinterkopf ihrer Veröffentlichungen noch etwas vager gestrickt. The West, das dritte Album von Drew Daniels und M.C. Schmpopt, das erstmals 1999 erschienen ist und nun neu aufgelegt wird, fußt lose auf dem weit gefassten Plan, Elektronik mit einem klassischen, teils aus der traditionellen amerikanischen Musik stammenden Bandinstrumentarium zusammenzuführen – The West ist also ein bisschen so gemeint wie in „Der Wilde Westen“. Laptop trifft quasi auf in Mikropartikel verhackstückte Americana. So haben Matmos eine Menge Freunde zum Mitmachen eingeladen, großteils aus dem Alternative Country, beispielsweise Dave Pajo, der sich seine Lorbeeren schon mit Slint, Tortoise oder Will Oldham verdient hat. Von ihnen haben sie sich DATs ins Haus schicken lassen, um dann am Ausgangsmaterial die gewohnt kleinteilige Schnitzarbeit zu verrichten. Was in fünf Tracks herauskommt, wenn gezupfte Gitarren, Jazzgebläse, Streicher, Banjos und wildes Geklöppel an den Drums über konzentrierte Rechnerarbeit purzeln, ist eine feingliedrige Vermengung von Musique Concrète, wucherndem Krautrock, pluckernder Elektronik und schon auch mal ein bisschen Krach. Heute würde man das wohl „New Weird America“ nennen. Vor allem aber auch: eine ziemlich großartige Platte, die die vergangenen zehn Jahre unangestaubt überstanden hat. Was man ja nicht von jeder Elektronik, die um die Jahrtausendwende entstanden ist, behaupten kann.

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