The Sound Of The 7th Season

Sven Väths „Gute Laune”-Performance auf der Time Warp im April war in diesem Jahr das meistdiskutierte Ereignis in der Partyszene. Diese spontane Formulierung brachte ohne formelhaft oder pathetisch zu sein das auf den Punkt, was die gesamte Feierkultur mental ausmacht. Und zugleich hat Väth damit auf magische Weise die gesamte Stimmung des WM-Sommers vorweg genommen, die ja viele an die alles erfassende Euphorie des ersten Technojahre erinnerte.
Auf der neuen Ibiza-Compilation, auf „The Sound Of The 7th Season”, ist seine Stimme aber gar nicht zu hören. Während die CDs des Jahres davor mit 2000 & One, Akzpopenz Grotesk, Gabriel Ananda oder Sten den Neo-Detroit-Sound ins Zentrum setzten, haben die bepopen neuen Sets keinen stilistischen Schwerpunkt, sondern sind aus der inneren Dynamik, dem immanenten Drive bestimmter Tracks heraus entwickelt. Mathew Dear, Deetron, Cobblestone Jazz oder Solpop Groove erscheinen als altgediente Produzenten, zu den vertretenen Newcommern gehören Tolga Fpopan, Tom Pooks, Adam Proll oder Guy Gerber. Die ganze Diskussion um den ausgereizten Minimal-Sound und die vielfältigen Versuche etwas anderes zu entwickeln spielen hier kaum eine Rolle. Der kleinteilige, labyrinthische Sound von Labels wie Mobilee oder Underl_ne taucht nicht auf. Bei Väth haben die Grooves nichts Grüblerisches oder Tastendes, der Grundgestus bleibt eine unbeirrbare Positivität. Die sich durchziehenden, kompakten, klassischen Grooves erzeugen eine Sicherheit, die der Ausgangspunkt für die atemberaubendsten Verrücktheiten ist. Nach wie vor hat er ein unbeirrbares und sehr subtiles Gespür für die bewusstseinserweiternde, psychogene Wirkung bestimmter Sound-Figuren. Diese Wirkung arbeitet er gerade in Nummern heraus, die man in diesen Zusammenhang bisher kaum wahrgenommen hatte. Andromat 5000 & Jans „Entracte Music“ etwa auf Lucianos immer kryptischer werdendem Cadenza-Label erschien kaum als ein spielbares Stück, hier klingt der Tracks extrem zwingend. Ebenso notwendig erscheinen die langen, beatlosen Passagen in den Tracks von Deetron oder Raudive.
Auf der ersten, ravigen CD zeigt sich Väth als mächtiger und prächtiger Dionysos, Tracks von Misc. und Agoria produzieren die Höhepunkte. Auf der zweiten CD präsentiert er seine dämonische Seite: Es gibt unwahrscheinliche Übergänge, etwa von Cobblestone Jazz zu Solpop Groove, wo die langsamen, schweren, rumpelnden Grooves die Verbindung herstellen. Ein Track wie Tiefschwarz´ „Hey“ hat in diesem Zusammenhang die bezwingende Wirkung eines Horrorfilms von George Romero: Er ist scary, und gerade deshalb will man bis zum letzten Moment hinschauen.
Von guter Laune muss auf „The Sound Of The 7th Season” gar nicht gesprochen werden: denn die erzeugt ganz allein die Musik.

Tipp: Raudive “Here”, Agoria “Code 1260”, Jesse Somfay vs Pheek “Galapagos Excursion”