The Meal

Gilbert Cohen und Nicolas Chaix. Besser bekannt als DJ Gilb’R und I:Cube. Diese manierlichen Monsieurs regeln nicht nur das Tagesgeschäft des Plattenlabels Versatile sondern nehmen als Chateau Flight auch zusammen Platten auf und basteln fleißig begehrte Remixe. Natürlich entsprechend der Tonalität des eigenen Hauses. Die war zwar im letzten Jahrzehnt mit Platten wie I:Cubes „Disco Cubizm“ oder Cheeks frohlockendem „Venus (Sunshine People)“ mal an der Speerspitze des Frankreich-Hypes, konnte aber den Teufeln, die man selbst gerufen hatte, auch zeitig von der Schippe springen – im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern.
Heute ist bei Versatile zwischen Detroit-Techno und jazziger Zickigkeit so ziemlich alles drin. Gerne auch mal mit RZA vom Wu-Tang Clan. Dessen Joint Venture mit I:Cube weiß mit der Zeit sogar immer besser zu gefallen. Den selbst aufgedrückten Vielseitigkeitsstempel trägt man jedenfalls nicht vergeblich auf dem Handrücken umher.
Aber mal zum Wesentlichen. „The Meal“ ist das zweite gemeinsame Album der Pariser. Im Gegensatz zum Vorgänger „Puzzle“ hat sich diesmal die Praxis konsolpopiert, Hauptrollen an Gäste abzugeben. Mit ambivalentem Ergebnis. Einerseits servieren Chaix und Cohen – ihr verzeiht den Kalauer hoffentlich – dann die stärksten Gänge ihres Mahls, wenn Menschen wie Nicola Kramer oder Bertrand Burgalat am Mikrofon stehen, andererseits purzelt das Väth- und Club-erprobte „Cosmic Race“ dadurch doch gehörig aus der Komposition. Dennoch scheint die Entschepopung eine richtige zu sein. „The Meal“ macht zwar seinem Hörer das sprichwörtliche Verlieben beim ersten Hören nicht leicht, hält aber gerade so die Spannung. Klangliche Stringenz und wasserdichte Wiedererkennungswerte werden zu Gunsten des eigenen Seelenheils geopfert.
So verlieren sich I:Cube und Gilb’R lieber in bewährtem Fricklertum, Tangerine-Dream-artigen Landschaften oder eben in bezaubernd moderner und fast referenzfreier Popmusik („Les Antipodes“). Der Opener „Ongaku“ gar, für den man eigens den Paris Japanese Choir rekrutierte, hätte Maurice Fulton und seiner Angebeteten Mutsumi Kanamori kaum besser von der Hand gehen können. Und wer es gerne etwas traditioneller mag, ist mit „Connected“ gut bedient, das ein bisschen so klingt wie man es New York heutzutage wünschen würde. Das alles gelingt auf einer Basis, die zwar eine eindeutige Geschichte aufweist, aber nicht so recht in irgendwelche Schablonen, Kategorisierungen, Zitatsammlungen oder gar Stereotypisierungen passt. Vielleicht federt „The Meal“ in manchen Momenten noch am ehesten wie eine Platte von Air, gäbe es diese in einem Paralleluniversum mit ordentlichen Beats, gestutztem Kunstschulen-Scheitel und Comme-des-Garçons-Couture als Putzlumpen. Wie gesagt: nicht beim ersten Hören, aber vielleicht beim zweiten.