The Grandfather Paradox

Ursprünglich wollten Âme, Dixon und Henrik Schwarz sich auf dieser Mix-CD mit Minimaltechno von Daniel Bell oder Mike Ink auseinander setzen, der sie in den neunziger Jahren beeindruckt hat und bis heute beeinflusst. Bei den Recherchen stießen die vier Musiker auf diverse einflussreiche minimale Platten vor der Technozeit und entschlossen sich deshalb dazu, eine fünfzig Jahre umfassende Geschichte der minimalen Musik zu erzählen. Auf Seiten der Technoproduzenten sind nur Tracks von Robert Hood, Richie Hawtin und Mika Vainio übrig geblieben. Daneben erscheinen Stücke aus einem ganz großen Spektrum: Die frühachtziger Percussion-Gruppe Liqupop Liqupop ist ebenso vertreten wie Ex-Tangerine-Dream-Mitglied Conrad Schnitzler. Von den Klassikern des Minimalismus der Neuen Musik taucht nur Steve Reich auf. Tatsächlich geht es Âme, Dixon und Schwarz weniger um minimale Musik, die sich analytisch auf ganz wenige Töne beschränkt, sondern um Klänge, die aus ihrer Wiederholung heraus bestimmte Atmosphären erzeugen. Diese Atmosphären der verschiedensten musikalischen Epochen setzen die vier meisterlich in Beziehung zueinander. Es ist eine Überraschung, dass die Auseinandersetzung mit derartiger minimaler Musik nicht von Protagonisten aus Lagern wie Perlon, Kompakt oder Minus losgetreten wird, sondern von dieser Clique von House-Produzenten. Kommt als nächstes ein Mix von Richie Hawtin, in dem er Terry-Riley-Kompositionen mit aktuellen Minus-Tracks kombiniert?

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