Talk To Your Angel

Das nennt man wohl gutes Timing. Noch bevor der Münchner DJ und Ex-Fauna-Flash Roland Appel zum großen Wurf ansetzen konnte, war er schon in aller Munde. Seine geisterhaft-dramatische Detroit-Hommage „Dark Soldier“ war einer der großen Hits der Miami Winter Music Conference 2007 und tauchte in den Charts nahezu aller namhaften DJs auf. Dabei erscheint Appels Fähigkeit, seelenvolle House-Musik mit Songstrukturen zu produzieren, zunächst nicht sonderlich bahnbrechend. Was Appels Musik besonders macht, ist sein intuitives Verständnis für den emotionalen Gehalt jedes einzelnen Sounds. Sein Debüt Talking To The Angel klingt wie ein sehr persönliches Polaropop. Es sind keine Hits für den Dancefloor, sondern opak schimmernde Tracks, in denen sich eine romantische Düsternis eingenistet hat. Dieses sinnliche Verständnis von Musik ist jederzeit spürbar: Tracks wie „Lost Valley“ und „Unforgiven“ verströmen mit ihren eleganten Stringflächen eine entrückte Beseeltheit. Aufgefangen wird diese fast schon mystisch aufgeladene Stimmung von warmen Beats, die Appels Liebe zu Disco und Deephouse offenbaren. Dazu schwebt die Stimme der Sängerin Araba Walton wie der sprichwörtliche Engel herab, den Appel als Leitmotiv für sein Album gewählt hat. Das mag übermäßig verrätselt klingen, verdeutlicht aber nur, wie sehr Appel seine Tracks als selbstreflexives Moment begreift, in denen der Musiker mit sich selbst ins Reine kommt. Roland Appels Musik ist wie eine geheimnisvolle Geste, deren Bedeutung sich erst im intimsten Moment vollständig offenbart.

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