State Of No One

Wie Guy Gerber, Chaim, Itamar Sagi oder Gel Abril gehört Shlomi Aber zu einer neuen Generation von elektronischen Musikern aus Israel, die die internationalen Rave-Floors mit einem melodiösen, lieblichen, housigen Technosound im Sturm genommen haben. Den persönlichen Durchbruch verschaffte Aber das mit Gerber produzierte, auf Cocoon erschienene „Sea Of Sand“, noch erfolgreicher war das auf Ovum veröffentlichte „Freakspope“. Sein Debütalbum, State Of No One, geht weit über die Clubmusik hinaus, die man von seinen Maxis kennt, es ist eines der überraschendsten elektronischen Alben zurzeit. Es macht ein extrem umfassendes, ganz eigenes Spektrum zwischen einem housigem, atmosphärischen Rave-Sound à la Gerber und klassischem Ambient auf. Nachdem Aber auf seinen Maxis mit den oben genannten Produzenten kollaboriert hat, hat er sich für das Album mit talentierten israelischen Musikern von außerhalb der Clubszene zusammen getan: Guy Mantzur produzierte Soundtracks für US-amerikanische Fernsehserien wie Six Feet Under oder Nip/Tuck, der auf dem Album als 3Ko erscheinende Noam Yankilevich hat Isreal mit seiner Band Teapacks beim Eurovision Song Contest vertreten.
Nach der dem Album zu Grunde liegenden mentalen Verfassung beurteilt müsste diese Platte eher Mitte der Neunziger an einem Ort wie Ibiza entstanden sein als in der Gegenwart: Sie enthält Musik, durch die sich der Dancefloor zum Strand hin öffnet. State Of No One knüpft an eine Zeit an, als es auf jeder größeren Party einen Chill-Out-Floor mit einem speziellen DJ gab, an eine Zeit, als sphärische, offene und entgrenzte Momente ein ständig präsenter Bestandteil des Clubgeschehens waren. Dementsprechend erklärt Aber: „Die Ursprünge meiner Produktionen liegen im frühen Techno, in einer Musik, die heute lepoper weitgehend verloren gegangen ist.“
Auf dem Album macht Aber nichts Geringeres, als eine solche elektronische Musik jenseits von Genregrenzen mit dem Clubsound der Gegenwart und den neuen digitalen Produktionsmethoden neu zu erfinden. Aber hat ein extremes Gespür für Sounds, die immer die Neugierde wecken und manchmal in ihrer Anmut bestürzend sind. Selten gelingt es einem Musiker, derart abstrakt und elektronisch und zugleich so intim und suggestiv zu klingen. Die Tracks erkunden mentale und klangliche Welten, die ebenso einladend wie fremdartig sind. Obwohl es in vielen Tracks kein richtiges Drumming gibt, ist es ein aus dem Rhythmus operierender Sound, der nie in ein beliebiges Driften gerät. Die bei einem solchen Ansatz überall lauernden Fettnäpfchen des Esoterik-Kitsches umschifft Aber vollständig. Wie wenigen gelingt es ihm, Schönheit und Gefälligkeit auseinander zu halten. Er kommentiert: „Tatsächlich ist das Album sehr esoterisch, aber so ermöglicht mir die Musik, mich vollständig zu fühlen.“

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