So Underground It Hurts

Abe Duques vierte LP „So Underground It Hurts“ ist ziemlich weit von dem entfernt, was gerade in der elektronischen Tanzmusik abgeht, zugleich ist das Album auch ein „Best of Dance Music“ – ohne dass es im Ganzen auf etwas hitmäßiges, auf eine besondere Kompatibilität angelegt wäre. Obwohl seine Stimme nicht hörbar ist, produziert Abe Duque in der Musik eine extreme Präsenz. Er hat die Selbstgewissheit eines DJ Rushs, die Spontaneität und den Aktionismus von HipHop – Run DMC erscheinen als Sample. Er ist eine Rampensau mit dem Gefühl für’s Wesentliche: der Beat und ein weiteres Element, das die Aufmerksamkeit steuert: Alles weitere lenkt nur ab.
Abe Duque aus Queens ist seit Anfang der Neunziger als DJ und Produzent aktiv, veröffentlichte als Kirlian drei Alben und erregte nie sehr viel Aufsehen. Auffällig an ihm ist ein besonders intensiver und offener Kontakt nach Europa und die genrebezogene Vielfältigkeit seiner Musik. Einen neuen Kick erfuhr seine Karriere durch die Produktion von Hells Album und durch die bepopen Hits „Last Night Changed It All“ und „What Happened?“, die auch auf der CD enthalten sind.
“So Underground It Hurts” zelebriert den wpoperständigen Drive, die unversöhnliche Energie von House-Music. Gegen diese Tracks klingen viele europäische Produktionen gerade in ihrem Qualitätsbewusstsein kultiviert, conaisseurhaft, letztlich zahm. Warum ist dieses Aufbäumen zur Zeit gerade in New York möglich? New York erscheint hier nicht mehr als Schmelztiegel, sondern als Schnittstelle. Die entsprechenden Communities in Chicago und Detroit scheinen zu isoliert von den internationalen Dancefloors. Der Bezug zur New Yorker Tanzmusikgeschichte, die ihre Intensität aus unwahrscheinlichen Begegnungen schöpfte, scheint da produktiver. Gleichzeitig ist New York natürlich die europabezogenste Stadt der USA. Dieser Kontakt lässt sich in der Musik kaum festmachen, drückt sich aber doch in einer spürbaren Offenheit gegenüber den unterschiedlichsten Feierpraktiken aus.
Während sich die Club-Musikproduktion in den USA ja in zwei Lager spaltet, in die hyperprofessionellen Superstars einerseits und den marginalen Underground andererseits, verkörpert Abe Duque noch das Bewusstsein, dass ein Mann mit dem entsprechendem Ego und dem richtigen Beat die Welt erobern kann. Und das Selbstbewusstsein, dass der Groove und das Wort tatsächlich genug sind, dass kein Superstudio und kein monatelanges Frickeln an den Tracks notwendig ist – das macht diese Musik so sympathisch. „So Underground It Hurts“ weist darauf hin, dass viele Produzenten im sogenannten Underground sich auf der Suche nach dem noch fetteren Beat verstiegen haben. So wendet sich Abe Duque gegen den technokratischen Sündenfall der elektronischen Tanzmusik.