Silva

Nach über 60 Releases in ausschließlich downloadbarer Form bringt das norwegische Net-Label Miasmah nun das erste greifbare Zeugnis seiner Existenz heraus. Silva, lateinisch für Wald, ist ein title der treffender kaum sein könnte, vorausgesetzt die Sonne schafft es nicht durch die dichten Baumkronen und die fehlende Energie verlangsamt das am Boden vorkommende Leben fast bis zum Stillstand. Die an Filmmusik grenzenden, sehr ruhigen, minimalen und melancholischen „Modern Classic“-Kompositionen vermitteln ein Bild eingefrorener Momente natürlicher Schönheit, wie fallende Blätter oder morgendlicher Rauhreif an den Bodenpflänzchen. Bei der kleinsten Erschütterung würde alles zerfallen. Die in Form von getragenen Streichern, bedächtigen Piano-Tropfen oder gänzlich aus abstrakten Umweltsounds generierten Surroundings werden von Effekten und fragilen Glitch- oder DSP- Schnipseln im heute situiert, wie das Nachhallen städtischer Hektik und Entfremdung in der auf den ersten Blick unsequenceten Natur. Man wagt es kaum zu atmen.
Tipp: Julien Neto „Ninety Four“, Library Tapes „The Scratches on the Window in the Doors of each Cell”, Jasper TX „July”