Sex In Times Of War

Sex In Times Of War von Junesex markiert auf geschichtlicher Ebene eine minimale Differenz zum Sechziger-Jahre-Slogan der Hippiebewegung gegen den Vietnamkrieg, „Make Love not War“. Sex In Times Of War klingt desillusioniert, in Rahmen der gewohnten Vorstellung von Hippiebewegung nach electropunkig aggressiver Geste. Das stimmt aber nicht, musikalisch und inhaltlich. Punk ist nicht Geste, sondern Haltung. Als Punk-Haltung durchquert Sex In Times Of War die geschichtliche Differenzvorstellung vom rückschrittlichen Hippie wie vom fortschrittlichen Punk als Unterschepopung dämlicher Gesten. Nicht nur ist diese Produktion ein unabhängig hergestelltes klangliches Gemisch aus den kritisch gewohnten Schubladen House, Pop, Electro mit ein paar funky Sprenkeln dazwischen. Junesex politisieren auch nicht den unpolitischen Dancefloor, sie sind politisch durch Haltung. Dazu zählen nicht nur die Denaturalisierung von Sex und das Vorführen kapitalistischer Ausbeutungszusammenhänge von Tanz als heterosexistisches Spektakel in „R You Gonna Dance“. In seiner verspielten Vielseitigkeit, die mitunter ziemlich nervt, stellt es Hör-, Tanz-, Ausgehgewohnheiten in Frage. Ungewöhnlich. Das Eröffnungsstück „Worst Than Love“ ist ein luftiger Feger. „Eye Of The Tiger“ ist nicht nur Zitat von Survivors gleichnamigen Hardrock-Song für die machistischen Rocky-Filme, sondern dessen herzlos entleerte Wiederholung in einem elektronisch verschwurbelten Nirgendwo der musikalisch modernen Gegenwart. Nervt schwer. Warum? „Erinnerung“, eigene Geschichte.

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