Santogold

Die Neue-Weltmusik-Clique um Diplo, Switch und Konsorten ist, nach angolanischem Kuduro und Bollywood-Disco, zur Abwechslung mal wieder direkt vor der eigenen Haustür fündig geworden: in New York, bei der Sängerin Santi White, genannt Santogold. Was im vergangenen Jahr mit deren grandioser Single „Creator/L.E.S. Artistes“ zunächst noch klang wie M.I.A. mit mehr Rock, findet auf diesem Album nun zu einer vollen Stilblüte. Und das meint nicht zu unfreiwillig komischen Fehlern, sondern zu einem bunt blühenden Stil-Bouquet zwischen ESG-Postpunk, New Wave und Dancehall, Blondie, Bad Brains und Breaks, zwischen Indierock und Spank Rock, der hier klingt wie Jan Delay. Ein Schmelztiegel also wie Santis Heimat New York. Eine Musik, die über Genregrenzen hinweg stürmt, die man nicht mehr einsortieren kann, die – endlich! – nicht mal mehr eine Hautfarbe hat. Die auch gestandene Rockmusik-Verächter hinreißen kann, weil sie zwar verschwitzt ist, aber gar nicht ledrig, haarig, rockistisch. Und die in ihrer hittigen Undefinierbarkeit extrem modern und jetztzeitig ist. Man fühlt sich jedenfalls gut aufgehoben bei diesem wüsten, geilen Etwas.

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