Reincarnations – The Remix Chapter 2001 – 2009

Platten von DJ Koze sind wie gute, alte Freunde. Manchmal weiß man nicht, wann man sie wiedersehen wird, wo sie sich rumtreiben und was sie gerade so machen, doch wenn man sich dann wieder trifft, bedarf es keiner Eingewöhnung, keiner großen Erklärungen. Und in der Not sind sie da, verlässlich. Stefan Kozallas Platten traf man vergangenes Jahr häufig und regelmäßig, das war in den Jahren, die diese Remix-Werkschau betrachtet, nicht immer so. Hier und da eine Maxi, ein paar verstreute Remixe, selten, aber immer ein große Freude. Demnach fehlen auf dieser Zusammenstellung aus acht Jahren Remixerei auch nur wenige Bearbeitungen aus dieser Zeit, unter anderem haben es jene für James Figurine, Alter Ego und (schmerzlich vermisst) für Adas „Eve“ nicht auf Reincarnations geschafft. Dafür trifft man eine Menge alter und neuer Bekannter: Die Anzahl nachgewachsener Köpfe einer Hydra könnten die Male, die ich seine Remixe von „Elementary Lover“ (Matthew Dear), „Kaltes Klares Wasser“ (Malaria) oder die noch junge, letztjährige Bearbeitung von Matias Aguayos „Minimal“ gehört habe – und noch hören werde – nicht annähernd darstellen. Magische, zeitlose Musik. Fernerhin finden sich hier sowohl poppige, beziehungsweise verträumte Remixe für Nôze und Wechsel Garland als auch irre Dancefloor-Spulen, gelötet aus dem Ausgangsmaterial von Leuten wie Sascha Funke, Lawrence oder Battles. Während man bei anderen Remixern meist eine bestimmte Stilrichtung erwarten kann, sind Kozes immer überraschend, nie richtig zu fassen und doch immer eindeutig dem Hamburger zuzuordnen. Insofern wirkt Reincarnations wie bereits der Vorgänger Music Is Okay mehr wie ein Album denn wie eine Remix-Compilation, auch wenn diesmal darauf verzichtet wurde, die Stücke ineinander zu mischen und mit durchgeknallten Skits anzureichern. Schade, aber kein Beinbruch. Es ist eine von vorne bis hinten famose Zusammenstellung, ein Portfolio, das so nur wenige zustande bringen können.
Und wenn DJ Koze zu guter Letzt Hildegrad Knef zärtlich einen musikalischen Blumenstrauß reicht und „Ich Liebe Euch“ so subtil verändert, dass man eher glaubt, eine Version aus den Sechzigern zu hören, denn eine zeitgenössische Bearbeitung, dann bleibt einem nichts anderes als zu erwpopern: Wir lieben dich auch, Kosi.

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