Present

VÖ: 13. November:
Beim Spiel mit Erwartungen kann man sich leicht die Finger verbrennen. Seit dem letzten und eigentlich immer noch perfekt klingenden Album von Artist Unknown sind einige Jahre vergangen und man mag sich fragen, wohin der Weg jetzt auf Anthony Rothers Label führen kann. Clé und Mike Vamp hielten sich für ihr Electro-Alias an den Stammbaum der elektronischen Musik und vermieden damit geschickt jeden Energieverlust, den so manch pures Electroalbum auf halber Strecke erlepopet. Dabei bekommt man echte Hits mit in den Posteingang gelegt, die Eigenwerbung kaum nötig haben. „Tank“ hat diese geballte Energie und „Demons & Girls“ bleibt hängen wie Pattexstift. Doch dann beginnen schon die Wandlungen, in denen Artist Unknown die Maschine mit neuen Bauteilen füttern. Bei „Aciklik“ klingen Artist Unknwn eher wie Ladytron und „Poem #7“ bricht sogar ganz den Klangfluss. Es folgt das mit simpler Schönheit bestechende „Unmusic“ als Klangwellness mit eingebautem Sonnenaufgang (gleich mehrmals gehört), und das folgende „Relax On Me“ sollte meiner Meinung nach in jedem Wecker als Pflichtmelodie eingespeichert werden. Das rotzige „Automat“ wartet mit einer weiblichen Diktatorstimme auf, die wie ein selbst gestochenes Tattoo böse unter die Haut fährt und die Form einer E-Gitarre als Branding hinterlässt. „The Happy Days“ kreuzt Vangelis mit Gary Numan und liefert den ganz großen Abgang von der Bühne, die wir mal Electro getauft hatten. Und dann ist die Momentaufnahme dieser Zeit für Musik und andere Annehmlichkeiten unserer Gesellschaft schon wieder vorbei. Mann und Frau bleibt zurück. Irritiert. Glücklich.