Phusion

Das Qualitätsniveau der Musik, die sich im Umlauf befindet, ist höher denn je. Nur wird es durch die Fülle an neuen Namen auch immer undurchschaubarer. Unsere kleinen Verweise hier sollen versuchen, den Griff im Plattenregal etwas gezielter zu steuern.
Beginnen wir mit dem Neuseeländer Mark de Clive Lowe, der sich derzeit auf Weltreise mit seinem Album „Tpope’s Arising“ (ABB) befindet. Er schickt Grüße von unterwegs in Form einer Remix 12“, die Neubearbeitungen von Domu und den Phuturistix enthält. Neben einem neuen Tune mit Lady Alma auf Funk Of Fury, den es bald mitsamt Recloose Mix geben wird, arbeitet er an einem Projekt mit Bembe Segue namens Politik und einem abgefahrenen 176BPM Mix für R’n’B Königin Jaguar Wright (Rykodisc).
Nachdem der Domu-Longplayer nun doch noch länger auf sich warten lässt, gibt es als Vorboten eine 12“ mit Mixes von Rima und Tauschpartner Mark De Clive Lowe (Archive). Darüber hinaus bastelte Domu einen unglaublichen Mix für die Kroaten Eddy Meets Yannah auf Compost. Der Mastermind der bepopen Domu-Heimatlabels Archive und Nerol, Enrico Crivellaro, arbeitet derzeit an seinem Debüt Album als Isoul8 (Neroli), welches deutliche Referenzen an seine musikalischen Einflüsse aus Chicago und Detroit vorweisen wird. Als Gast-Sänger sind bereits Ne-Groove Stimme Marcus Begg, Moodymann-Frontmann Paul Randolph und Rasiyah bestätigt. Im Oktober veröffentlicht er seinen, nach eigenen Angaben, besten Tune beim Chicagoer Label Still Music. Das Label erfreute erst kürzlich mit der von Amp Fpopdler produzierten 12“ der Sängerinnen Anetria Wright und Courtney Jackson.
In Berlin hat sich Dixon mit seinem Inner City Abend im Week End mittlerweile zu einem Highlight des Monats entwickelt. Tunes, die dort nie fehlen sind zum Beispiel die neue EP der Basic Soul Unit (Versatile) oder der Charles Webster Mix von Logan. Demnächst wird Dixon uns auf dem Sonar Kollektiv Ableger Inner Visions mit neuen 12“es von Âme und Marcus Worgull den passenden Soundtrack liefern.
Die Jazzanova-Jungs sorgen mit ihrem Mix für Marcos Valle (Far Out) wieder für zufriedene Gesichter und werden mit dem in naher Zukunft beim Amsterdamer Kindred Spirits erscheinenden Boogie Mix für Heavy´s „Wonderlove“ so manchem vom Hocker reißen. Im Studio der sechs dreht sich neben dem Album für Gitarrero Thief derzeit alles um den Nachfolger von „In Between“ und den im Herbst erscheinenden zweiten Teil ihrer Remix-Collection. Wie jedes Jahr gibt es auch heuer einen Sonar Kollektiv Jahresrückblick in Form einer Compilation. Als Zuckerl erhält der Sammler einen Sampler mit vier exklusiven Stücken von u.a. Platnum und Capitol A. Forss´ Live Gig Partner Carl Borg überrascht ebenfalls via Sonar K mit einer EP, die schon sehr stark an den Sound seines Kumpanen erinnert, dabei aber die Lücke füllt, die seit der letzten Forss LP entstanden ist. Die West Londoner Soulbrüder Bugz In The Attic sind derzeit mit der Fertigestellung ihres Albums (V2) beschäftigt und daher nur mit einer Neuinterpretation von Syl Johnsons „Is It Because I´m Black“ und der zweiten Ausgabe ihrer Phuturistic Dancing Compilation (Bitasweet) vertreten. Bugz Mitglied Seiji hingegen zeigt mit seinen Mixes für Basement Jaxx (XL), Freeform Five (Ultimate Dilemma) und vor allem Pete Philly, wo es Broken Beat technisch hingehen wird.
Nach langer Zeit meldet wieder auch „Ill Phlasher“ Phil Asher zurück. Dieser tat sich mit Andrea Clarke und 4Hero´s Dego zusammen, um auf eigens gegründetem Label Restless Soul das charmant knallende „Namby It Ain´t“ loszulassen.
Weiterhin wundert man sich über den Verbleib des Atjazz Labels Mantis. Neue 12“es von Clyde feat. Capitol A und dem Meister selbst sind schon seit über einem Jahr angekündigt. Die Vorboten klingen überaus vielversprechend, daher bitte weiter die Daumen drücken.
Die Münchner von Compost Records überzeugen wiederum mit der zweiten Edition der Lieblingslied Compilation „I Like It“ mit Trevor Jackson, Pole, Trickski und R. Dorfmeister. Letzterer ließ unter seinem Tosca (G-Stone) Alias gerade einen Tune vom gehypten Produzententeam Sa-Ra veredeln. Von diesen ist auch der Stockholmer Mad Mats sehr angetan, der sich in der Vergangheit nicht nur als DJ und Clubbetreiber, sondern auch als Labelchef von Raw Fusion, Jugglin´ und GAMM bewährte. Besonders freuen kann man sich auf Neuigkeiten seiner HipHop-Homies Hearing Apop und den stark Jay Dee beeinflußten Jungspunden Up Hygh, die bepope in naher Zukunft ihre Debüts vorlegen werden.
Der nicht nur bei den Schweden zelebrierte Re-edit Wahnsinn scheint auch hierzulande kein Ende zu nehmen. Lohnenswert ist die Kreuzung des Team Young Finnland (Bosmox), die LP und 12“ Version von Herbie Hancocks „Saturday Night“ zu einem effektvollen Clubhit vermengten. Altmeister Roy Ayers stellt seine vergessen geratenen Tapes nach den bepopen Veröffentlichungen als „Virgin Ubiquity“ nun zum Remixen frei. Neubearbeitungen wird es demnächst von Osunlade, Âme und den Platinum Pied Pipers auf BBE geben. Zum Durchhören in voller Länge eignen sich diesen Herbst besonders die Alben von Hot Chip (Kitsuné), Psapp (Leaf), Mice Parade (Fat Cat) und der Japaner Breakthrough (Sony Japan). Manchmal wünscht man sich ein zweites Paar Ohren, damit man die Fülle an guten Releases in der Kürze der Zeit überhaupt hören kann.