Phusion

Trends wie Cosmic, Disco, Folk und opulente Elektronica lassen ja oft Raum für fieses Gedudel, deshalb sei hier einmal kurz davor gewarnt, nicht dass noch wir eine Art Acpop Jazz Revival erleben.
Ein Projekt, das stringent cool Jazz, Art-Pop und akustische Avantgarde verbindet, nennt sich Karl Off, kommt aus Belgien und setzt die Tradition Aksak Maboul (das Ur-Projekt des SSR und Crammed-Disk-Gründers Mark Hollander), fort, nur wird die orffsche Partitur auf „Acoustic Camera“ (Anorak Supersport) um wenige aber slicke jazzige Streicheleinheiten und ein String-Quartett erweitert. Zu dem Album gibt es Remixe von Urbs und Davpop Borsu. Neben Belgien ist auch Finnland so eine Hochburg schräg schöner Jazz-, Acpop-, Avantgarde-, Electro-Mischmasch-Projekte, zu denen auch Track N Field zählt. Gleich eine 2-CD „Marathon“ (Nine2Five Rec) von Mastermind Roberto Rodriguez (von dem es übrigens eine tolle alte House-Maxi gibt, sowie mit Co-Produktion für Nicole Willis auf sich aufmerksam machte) ist gewagt, aber insgesamt doch eine gute „uplifting tasty“ (Zitat Rainer Trüby) Mischung aus Downbeat, Larry-Levan-Einflüssen, Sähkö-Sound und Sauna-Soul.
Respektabel in unteren BPMs wabern die Hannoveraner Band Breakout, deren „Moonlight Is Our Sunshine“ (Breakout Music) organische Zwielicht Musik bietet, die man nach zehn Jahren Abstinenz bitte auf Ibiza, Goa, Thailand-Inseln am Strand hören möchte, aber Gedanken an Lounge oder Acpop Jazz dabei bitte ausblendet. Garantiert frei von elektronischen Störgeräuschen. Diejenigen, die Breakouts Coverversion „Planet Rock“ (Melting Pot) auf 7“ verpasst haben, mögen jetzt zur fetteren 12“ mit Jazzmix greifen.
Ein Mann der ersten Stunde der früh schon Einflüsse des Fusionjazz in seinen Electronic-Detroit-Folk-TripHop-Kosmos synthethisierte, kehrt neuerlich nach The Beauty Room zurück zu seinen MoWax-Wurzeln: Kirk DiGiorgio pres. As One „Planetary Folklore II“ (Archive) birgt pastorale elektronische Momente mit Orchester, friedvolle oder funky Miniaturen und der alte Future Sound Of Jazz lugt auch mal durch.
Jazzanovas Erlebnis-Gastro-Theater-Kultur-Zelt-Musik-Bühnen-Soundtrack-Produktion für das Berliner „Belle Et Fou“ (Sonar Kollektiv/Rough Trade) gibt’s jetzt auf CD mit etlichen neuen Jazzanova Tunes, und Kollektiv-Kollegen wie Micatone, Forss, Wahoo, Clara Hill. Herausragend dabei das Jazzanova Stück „Ice“ (kristallklare Fusionjazz-Nummer) und der folkige Bonus-Track Jazzanova feat. Thief „The Siren’s Call“. Ob „Belle Et Fou“ live vor Ort in Berlin ein Genuss ist, vermag ich nicht zu beurteilen, die Presse war jedenfalls eher verhalten bis abwinkend, was der Musik aber definitiv kein Abbruch tut, die ist gewohnt gut. Das beweist auch Thiefs neue Single „Hold On, Hold On“ (Sonar Kollektiv/Rough Trade), die klampfend an die Studiowand von Donald Fagen, Was Not Was, Chaz Jankel klopft, während Extended Spirit mit ihren extended drum-clap-crash-break-clap-percussion-party Edit in etwa antworten: „Singer Songwriter Folk Fusion Goes The Weasel gut und schön, es darf auch ein bisschen Party sein!“
Genau! Und zwar damit: seelenvolle DJ-, Disco-, House-, Boogie-, Booty- ,Party-Cracker in klammheimlicher Reihenfolge nach hinten schneller, mitunter härter werdend: Part Time Heroes “Realise EP“ (Mums The Word), Alice Smith „Love Endeavor“ Maurice Fulton Remix (BBE), Kathy Diamond „All Woman“ (Permanent Vacation) Escort „Starlight“ mit Darshan ‚Metro Area’ Desrani Dub (Escort Rec) , Moxie „Chow Daddy“ (Moxie),), Deetron feat. Just One „Let’s Get Over It“ (Music Man), Bo’tox „Drive By Shooting“ /Lada Rock“ (Marketing), I:Cube „Gratte Bouche“ Gilbert Edits (Versatile), The Invisible Session „Till The End“ Panoptikum Remix (Schema), Offsetters „Love Ritual“ Westpark Unit Dub (Farspope), LSB „Original Highway Delight“ (von Pete Herbert /Reverso 68) (Eskimo), Sumo feat. Clarissa Muvemba „Lovebeat“ Karizma Darq Dub (HiFi). Muss alles noch atmen, aber wenn das hier weiter reift, könnte 2007 ein guter Jahrgang werden.

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