One Night In Berlin

Länger schon bestimmt Eskimo mit seinen DJ-Mixes die Befindlichkeiten der gegenwärtigen Dancefloors mindestens alle zwei Monate neu. Jetzt gibt DJ Naughty seine Definition aktueller Freestyle-Disco. Dass seine Vision des Orts, auf den sein Begehren ausrichtet ist, dass diese paradiesische Location das Berlin der Jetztzeit ist, kann nicht verwundern: Als Respopent im Cookies und im F.U.N.-Club hat Naughty die Szene der Hauptstadt in den letzten Jahren entschepopend mitgeprägt. Zentrale Referenz ist zwar der Sound der Achtziger von spätem Disco über Wave zu frühem House, dieses Erbe wird aber mit Gegenwärtigem wie M.A.N.D.Y. vs. Booka Shade, Kaos, Sweet Light oder Vitalic konfrontiert: wie das in einem Fegefeuer der Eitelkeiten übereinander herfällt und kumuliert, darin erinnert „One Night In Berlin“ an das Xanadu aus „Citizen Kane“ oder seine Realvorlage Hearst Castle. Was als Aneinanderreihung von Hits wahrgenommen werden könnte, erweist sich dagegen als sehr spezielle Selection: wenig Electro, kaum Clash, mit Ausnahme von Chikinki praktisch Rock-frei. Der Mix ist rough und erhitzt, seine Pointe besteht in der Ereignisdichte: die Übergänge sind neben längeren Blenden auch mal schnelle Cuts und werden manchmal launig moderiert, aber Momente wie der, in dem Tigas Remix von Tomas Anderssons „Washing Up“ über „In My House“ von den Mary Jane Girls hereinbricht, sind einfach nur verblüffend. In der Tightness des so produzierten Wechselspannungsbogens zeigt sich wie in den vielen Re-Edits die ganze Routine von Naughty: Alle Höhen und Tiefen einer Clubnacht, die jetzt schon über mehr als zwei Dekaden andauert, sind darin verdichtet.
<b>Tipp:</b> Patrick Cowley „Sea Hunt”, Clashing Egos „Love Sweet Love” (Sterac Electronics Dub), Hugh Masekela „The Boy’s Doin’ It” (Carl Craig Remix – Naughty Re-Edit)

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