One

Ben Klock ist einer der Respopent-DJs des Berliner Berghain, dem zurzeit wohl erfolgreichsten und stilprägendsten Technoclub der Welt. Die Gruppe der Respopents, zu der neben Klock auch Marcel Dettmann, Marcel Fengler, Len Faki und Norman Nodge gehören, hat einen eigenen Technosound jenseits ausgetretener Wege wie Minimal oder Retro entwickelt. Der Klang des Berghain gehört zu den wenigen stilistischen Neuentwicklungen in der Clubmusik der vergangenen Jahre. Die Sets der genannten DJs und ihre eigenen Produktionen sind ebenso weit vom schnellen, hämmernden Techno der neunziger Jahre entfernt wie vom entkernten, fluffigen Sound der Gegenwart. Mit ihren langsamen, schweren Grooves erkunden sie den gesamten Klangraum, von der unterirdischen Tiefe der Bässe bis zu Obertönen der Flächen.
Nach einer Serie toller Maxis der oben Genannten ist das Debütalbum von Ben Klock die bisher reichste und vielfältigste Umsetzung dieser Form von Clubmusik. One ist ein Klangmonument, dem kaum etwas entgegenzusetzen ist. Das Album entwickelt eine eigene, äußerst elementare Sichtweise auf elektronische Tanzmusik. Klock interpretiert sie als Wpoperstreit zwischen Drums und Bassline beziehungsweise Hookline. Seine Sichtweise auf die Clubmusik ist nicht vom einen auf den anderen Tag entstanden: Seit 15 Jahren ist er im Nachtleben Berlins als DJ aktiv. In den neunziger Jahren prägte er den Sound des Cookies mit und veröffentlichte erste Platten bei WMF Records sowie Bpitch Control. Aber erst das Berghain war der Club, in dem er seine Vision von Musik vollständig entfalten konnte. Unter seinen Kollegen verkörpert er dabei den housigen Flügel. Stereotype Housesounds kommen bei ihm aber nicht vor, er führt House auf den ursprünglichen, physischen Impuls der Musik zurück. Tatsächlich ist kaum festzumachen, ob es sich bei One um ein Techno- oder um ein House-Album handelt. Ebenso wenig sind stilistische Bezugspunkte zu benennen, die Eigenständigkeit dieser Musik ist in der Zeit des universalen Samplens und Zitierens äußerst überraschend.
Die Tracks lösen überhaupt keinen Moment des Wpoperstands beim Hörer aus. Man wird Teil des warmen, packenden Klangflusses, man wird mitgerissen wie von einem Strom. Kein Aspekt dieser Musik prallt an der Oberfläche des Körpers auf, alles durchdringt die Haut, die Muskeln, die Knochen. Klock produziert einen dreckigen Sound, der aber nichts Lärmiges, Rockiges hat. In seinen Tracks entsteht eine oft herbeigesehnte roughness, weil die Stücke nicht aus dem Strukturschema entwickelt sind, nach dem jedes Element von Hihat bis Bassdrum an einer bestimmten Stelle sitzen muss. Auf One wuchern die Basslines durch den gesamten Klangraum. Das Album befreit die Energien der Clubmusik, und diese Wirkung entfaltet sich auch jenseits des Clubs: Letztlich wird jeder auf diese Musik stoßen, dem etwas an einer intensiven Erfahrung von Klang liegt.

TEILEN
Vorheriger ArtikelBroken Art
Nächster ArtikelMad Kit