My Name Is Beuys Von Telekraft

Die Bezugnahme auf Wissenschaft in Techno und Electro gab es bereits in dem obskuren, oft belächelten Projekt Dopplereffekt von Menschen aus Detroit, die sich „Rudolf Klorzeiger“ und „To Nhan Le Thi“ nennen. „Biological socialism leads towards victory“, stand auf der Rückseite von Dopplereffekts LP Gesamtkunstwerk, und es gab darauf Stücke, die „Scientist“, „Rocket Scientist“ oder „Infophysix“ hießen. Wie bei Dopplereffekt-Tracks gibt es bei dem Frankfurter Produzenten Anthony Rother den Bezug auf die klassisch rhythmischen Strukturen der Düsseldorfer Kraftwerk, die technogeschichtlich familiär oft als Vorväter und nicht als Krautrocker beschrieben werden. My Name Is Beuys von Telekraft, title von Anthony Rothers CD sowie Vorstellung der in den Tracks sprechenden männlichen Stimme, ist in meiner Lesart die Schnittstelle einer legendär abgeschmackten Künstlerfigur, Beuys, und Rothers eigenem Label Telekraft, worin konzeptuell Kraftwerks „Kraft“ steckt. Es sind aber keine expliziten Kunsttracks, Anthony Rother holt sich vom System Kunst die abstrakt konzeptuelle Reflexion auf alltäglich musikalisches Material wie Handyklingeltöne. Das ist eine extrem reduzierte, durch die Stimme nervende Musik, die von dem fiktiven Science-Fiction-Ort aus, von dem sie zu kommen angibt, ihren fett produzierten Reiz aus dieser Differenz von alltäglichem Nervtöten und maximal abgehender Electroclash-Partyrhythmik entfaltet.

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