My Demons

Greg Sanders alias DJ Distance gehört seit geraumer Zeit zu den interessantesten Köpfen der britischen Dubstep-Szene. Als Radio-DJ und Produzent gilt er als wichtige Schnittstelle der so wandlungsfähigen und teilweise auch etwas unübersichtlichen Szene. Umso sehnsüchtiger wurde sein Debüt erwartet, das neben den Alben von Burial, Milanese (ebenfalls auf Planet Mu) und Skream wohl schon bald zu den Meilensteinen des jungen und ungeheuer wandlungsfähigen Genres zählen dürfte. „My Demons“ legt sich wie eine Szene aus einem Davpop Lynch-Film schwer auf die Seele und entwickelt nach wenigen Minuten einen intensiven Sog, der direkt in das Herz der Finsternis, zu den Rändern einer verwundeten Zivilisation, führt. In Distances bleischweren Beats und den subsonischen Bassläufen erweist sich die urbane Fassade als brüchiges Gerüst, die Postmoderne als mörderisches Labyrinth aus Eisen und Beton. Distances Tracks schleifen wie rostige Nägel an den Mauern entlang, kratzen an Stahlgittern und verschwinden im bleichen Licht der Fabriken. Selten wurde urbane Düsternis und klaustrophobische Todesahnung so dringlich als akustisches Bild verdichtet wie auf Tracks wie „Night Vision“ und dem überragenden „Mistral“. Nur hin und wieder blitzen Momente der Erlösung auf, kriecht ein Vocalsample in das HipHop-Dekonstrukt „Weigh Down“; eigentlich zu abstrahiert, um es noch als menschlich zu verorten. Der Rest ist schmutziges Gold: der eiskalte Hauch auf „Cyclops“ und „Cella“, das metallische „Traffic“, der dämonische Funk von „Ska“ mit seinen Sägezahn-Hooks – auf „My Demons“ ist die Utopie der Metropole endgültig zu ihrem Ende gekommen. Die Versprechungen der Moderne offenbaren sich als Horrorfilm. Die Party ist vorbei. Den Weg nachhause muss jeder allein gehen.