Misch Masch

„Misch Masch“ ist eine Compilation-Serie mit sinnvollem Konzept: Ein ausgesuchter DJ/Produzent mixt sich auf einer CD durch sein tagesaktuelles Repertoire, während man auf der zweiten CD ein Blick auf dessen eigenes Remix-Werk werfen kann. Bei kaum einem anderen Produzenten würde diese Kombination heutzutage mehr Sinn ergeben wie bei der notorischen Remix-Schlampe Radio Slave. Der Brite mit dem unverwechselbar hypnotischen Sound ist auf mindestens zwei Maxis pro Woche zu finden und ein Ende scheint nicht in Sicht. Dass seine Beats letztendlich immer gleich klingen, stört auch nicht weiter. Zu gut funktioniert sein Trademark-Sound, der es schafft, gleichzeitig mit extrem plastischen Effekten um sich zu schießen, der aber auf der anderen Seite auch total deep und konzentriert wirkt. Radio Slaves Musik schwebt und schiebt zugleich, es ist eindeutig Drogenmusik, die die Stimmung auf dem fortgeschrittenen, aber noch nicht umgekippten Dancefloor exakt auf den Punkt bringt – Momente der Orientierungslosigkeit findet man zum Glück nie in ihr. Eigentlich kann man von dieser „Misch Masch“-Ausgabe als inoffizielles Album von Radio Slave sprechen: 10 der 22 Tracks der Mix-CD sind Radio Slave-Produktionen, auf der zweiten CD findet man acht seiner Remixe, u.a. für die Pet Shop Boys, Carl Craig, M.A.N.D.Y., Jamiela, Moby und The Knife. Bei jedem anderen wäre die doch recht schamlose Konzentration auf eigenes Material bei einer Mix-CD zumindest unsymphatisch. Bei ihm macht es Sinn. Der Mix funktioniert einfach zu gut so: Mit seiner Acapella-Version von Trentemøllers „Moan“ beginnend, entwickelt die Musik innerhalb von wenigen Minuten einen Sog, den man sich nur schwer entziehen kann. Hier wirkt alles wie aus einem Guss, was nicht nur an den homogenen Ausgangsmaterial liegt, sondern auch weil Radio Slave die Tracks im Mix lange übereinander blendet. Wenn die CD schließlich mit den schwelgerischen Detroitchords von Vince Watsons „Rendevouz“ endet, wirkt das geradezu wie ein Versöhnungsangebot: Reisender, hab’ keine Angst – es gibt Licht am Ende jeder Clubnacht. TS
Tipp: Shackleton „Blood On My Hands“ (Villalobos Mix), Rufuss „The Celebration“, Carl Craig „Darkness“ (Radio Slave Mix)

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