Microkosmos

Das Producer-Duo aus Österreich hat mit viereinhalb Maxis sowie Remixen für Christopher Just und Keith Tucker in den letzten Jahren bereits für Aufhorchen gesorgt. Trotzdem überrascht das Debütalbum von Microthol: Die zwölf vorwiegend neuen Tracks bündeln nicht einfach die Kräfte der EPs zu einem gelungenen Album, sie fassen die Resultate einiger Verschiebungen auf mehreren Ebenen – ein Plus an Vocals etwa – zu einem ungeheurer vielschichtigen Release zusammen, das nicht nur den Ansprüchen des Formats genügt, sondern auch den selbst vorgegeben. „Microkosmos“ ist tatsächlich wie das Panorama, das ihre Homepage zeigt: Ein komplett entwickeltes System, dessen Masse auf Disco-, Acpop- und Italo-Partikel verteilt ist, die um ein Gravitationszentrum aus Electro-Materie rotieren. Ähnlich wie bei Pigna gehen Microthol mit ihren Einflüssen differenziert um, beschreiten aber andere Wege in der Produktion: Diese Musik ist so faszinierend, weil sie in dem Ruck, in dem die Beatpattern durch den Körper gehen, den punktuell durchbrechenden Schreck der Stille hörbar macht, den Horror vacui, die Leere, die der Hintergrund von Electro ist. Dass Trust gerade hiermit als Lieblings-Maxilabel für diesen Sound den Schritt zum Artistalbum beschreitet, macht aus „Microkosmos“, was es ohnehin schon ist: ein Glücksfall der elektronischen Tanzmusik.

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