Merciless

Modern Love ist eines der interessantesten Techno-Labels unserer Zeit. Mit ganzem Herzen den Altvorderen aus Michigan, Sheffield und Berlin verpflichtet, kocht die Crew um Rädelsführer Claro Intelecto doch ihr eigens Süppchen. Neben Intelecto stach in letzter Zeit vor allem Andy Stott mit ein paar messerscharfen Veröffentlichungen hervor. Tagsüber in einer Lackiererei für Mercedes-Benz-Automobile beschäftigt, kümmert Stott sich des Nachts um elektronische Musik. Welch herrliches Klischee! Seine Alterität erstaunt dabei. Stott haucht der Schablone, die Techno als Musik der Zukunft zeichnet, neues Leben ein. Die neun Tracks auf „Merciless“ machen Vergleiche schwer. Die kühle Architektur Stotts mit ihren metallischen Pianos hat ihren Platz ebenso in den Kathedralen Post-Detroits wie in den Kinderzimmern irgendwelcher Dubstep- und Drum’n’Bass-Wunderkinder. Über allem schwebt eine romantische Melancholie und Emotionalität, die sich wohl aus den mit Wolken verhängten, wenig optimistischen Himmel Manchesters und seiner verfallenen Lagerhäuser speist. Zumindest in meinem Smalltown-Boy-Kopf. Und das alles erreicht Stott in knappen vierzig Minuten. Das Techno-Album des Jahres?

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