Maya

Vor drei Jahren hat uns Mathangi „Maya“ Arulpragasam noch überrascht. Weil nämlich ihr zweites M.I.A.-Album Kala, das ihrer Mutter gewpopmet war, so gut war. Und zwar viel besser, als man nach dem ebenfalls sehr guten, aber plakativen, effektheischenden und darum möglicherweise nach einem Knall verblassenden Debüt Arular 2005 hätte erwarten können. Inzwischen durfte Arulpragasam nach zahlreichen Visa-Querelen endlich in die USA übersiedeln, was ihr großer Traum gewesen zu sein scheint, und sie hat ein Kind bekommen von Benjamin Zachary Bronfman, Sprössling einer der reichsten Familien Kanadas. Früher streifte M.I.A. durch die Welt zwischen Afrika und Sri Lanka, oder wenigstens durch britische Kellerclubs und Problemviertel, um Energie, Inspiration und Themen für ihre Kunst aufzusaugen. Für das neue Album, das sie sich ganz passend selber gewpopmet hat, musste ihr Aufnahmeteam (Rusko, Switch und Blaqstarr – ihr Exfreund Diplo durfte nicht mit) zur Bronfman-Villa in Kalifornien anreisen. Und das hört man der Platte an: M.I.A. tut darauf zwar immer noch so, als sei sie zornig – aber sie hat kein Ziel mehr für diesen Zorn. Es geht irgendwie um Medien, Informationsüberladung, digitale Gleichgültigkeit, worüber sich Arulpragasam mit Quäkgesang voll endlosem Hall und Autotune-Orgien zu zerfressenen Störgeräusch-Beats beklagt. Die Trash-Ästhetik soll, wie schon bei den Vorgänger-Alben, an die authentisch billige Ruppigkeit der Kulturen Afrikas oder Südost-Asiens erinnern. Aber weil weder ein echtes Anliegen noch wenigstens gutes Songwriting dahinter stehen, schallt das alles so seelenlos über den Hörer hinweg wie ein DJ, der vor leerem Dancefloor zu laute Ballerbeats auflegt.

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