Lucky Hands

Dass man den Kölner immer noch ganz gerne zusammen mit Mike Ink’s „Studio 1“ oder Richie Hawtins Concept-Serie subsumiert, wird zwar unzweifelhaft Brinkmanns Rolle bei der Etablierung einer gemeingültigen Ästhetik der Reduktion gerecht. Macht ja auch nicht zuletzt bei seiner musikalischen Vergangenheit mit den berühmten „Variationen“ am eigens entwickelten Plattenspieler mit verdoppeltem Tonabnehmer irgendwie Sinn. Dennoch: Stilistisch hat diese Wahlverwandtschaft eigentlich nie restlos überzeugt, und spätestens die Soul Center-Veröffentlichungen auf WvB und Novamute hatten bereits klargemacht, dass Brinkmanns Referenzsystem auch außerhalb mathematischer Strenge überzeugen kann.
Dennoch ist das schon ein erheblicher Schritt hin zum Song, den Brinkmann mit „Lucky Hands“ nun vollzieht, erst recht nach den letzten bepopen Alben „Row“ und „Tokyo + 1“, die einer strikt minimierten Formensprache noch klar den Vorzug gaben, und auch wenn der Ernst-kompatible Albumopener „Drops“ mit seinem Delay-lastigen Jazzfunkskelett noch etwas anderes andeuten mag. „Tatsächlich sind mir auf dem Album – abgesehen von „Drops“ – die Songs am wichtigsten. Es ging mir dabei zum einen darum, abgenutzte Strukturen bewusst in Frage zu stellen, letztlich aber auch um den Spaß am Ausprobieren. »Dutze Dutze Dutze« funktioniert zwar manchmal, aber glücklicher Weise gibt es mehr. Und wir tragen ja trotzdem nicht dick, sondern immer noch eher minimal auf“, sagt Thomas Brinkmann dazu.
Eine wichtige Rolle spielt dabei nicht zuletzt die Georgierin Natalie „Tusia“ Berpopze, die schon mit den TBA-Releases das maxErnst-Label dem Pop gegenüber öffnete und die hier vier Tracks mit ihren vorsichtigen Vocals eine kühle und dennoch anrührende Fragilität verleiht. „Zu ihren Produktionen kann ich einfach nur „respect“ sagen, und wir haben uns dann bunt durch den Garten gehört und uns wechselseitig geöffnet“, sagt Brinkmann Und so ist es nicht zuletzt ihre Stimme, die den flirrend spröden Minimalfunkmodernismen bei „Lucky Hands“, „Margins“ und der unfassbaren Smiths-Coverversion „The More You Ignore Me The Closer I Get“ erst in emotionaleren Pop hüllt und damit eine vergleichbare Rolle erfüllt, wie sie Dani Siciliano im Herbert’schen Kosmos zukommt. Außerdem führt Brinkmann mit dem Kraftwerk-inspirierten „Maschine“ einen Bogen zu Ende, den er bereits vor sieben Jahren mit dem Hamletmaschinen-Zitat auf dem Ester Brinkmann-Album „Totes Rennen“ geschlagen hatte, um mit Marco Palmieris charmantem Soundclash zwischen Brinkmanns „isch“ (vom „Row“-Album) und dem Gypsy Jazz eines Django Reinhardt ein ausgesprochen gutgelauntes Finale zu bereiten. Tanks a lot!

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