Live At The Planetarium

Kleine, fluffige Wölkchen. I:Cube macht jetzt auf Ambient. Irgendwie war die eine Hälfte von Versatile Records das ja schon immer. Zumindest was die Hingebung zu ausdrucksvollen Melodien, den Hang zu feinen Details und das untrügerische Gespür für Atmosphäre angeht. Der Mann hat Charme. Da wundert es auch nicht, dass man uns glauben machen will, dass die erste Liebe I:Cubes Künstlern wie Biosphere, Future Sound of London, dem Detroit Escalator und natürlich Tangerine Dream galt. Aufgefrischt wurden diese Amouren letztes Jahr durch einen Auftritt beim Star Ball Festival. Nicolas Chaix durfte nämlich im schummrigen Pariser Planetarium de la Villette als I:Cube auftreten. „Live At The Planetarium“ ist sinnigerweise das Resultat dieser Performance. 55 Minuten lang ist dieses Psychedelikum am besten liegend und mit einem Tee – wir empfehlen „Quell der Erfrischung“ – zu genießen. Krautrock ohne Gitarrensoli und Ambient ohne Plattitüden – darauf hat die Welt gewartet. Völlig ohne falsches Pathos oder barocken Bombast auskommend und nur mit einem kleinen Deep-House-Track versehen, mag das auf jugendliche Praktikanten im Plattenladen „langweilig“ wirken. Von Freizeitmusik gestresste Hörer werden I:Cube aber auf Knien dafür danken. Übrigens nimmt der mit diesem wunderschönen Wurf endgültig im Pantheon der Ausnahmeproduzenten Platz. Bevor man nun aber „Live At The Planetarium“ weiter mit schlechten Attributen wie „träumerisch“, ��dubby“ oder „spacy“ erschlägt, akzeptieren wir einfach, dass der Franzose endlich die Platte gemacht hat, nach der Philip K. Dick, Ray Bradbury und HAL 9000 zeitlebens gesucht haben.

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