Lindstrøm & Prins Thomas

Norway all the way. Hans-Peter Lindstrøm ist der Mann der Stunde. Seine Version von Neo-Disco-Trance namens „I Feel Space“ geistert immer noch durch die Clubs. Gleichzeitig gefällt er Freunden abstrakterer Unterhaltung mit seinen Six-Cups-Of-Rebels- oder Slow-Supreme-Pseudonymen. Da war ein Album ja nur noch eine Frage der Zeit.
Bei dem Output, den Herr Lindstrøm und seine Gefährten den letzten Wochen und Monaten an den Tag legten, und durch den reißenden Absatz, den Produkte aus Oslo momentan finden, ebenso eine gerechtfertigte. Zudem kann man Hans-Peter, seinem Weggefährten Prins Thomas und ihrem Nesthäkchen Todd Terje zu Gute halten, der manchmal doch recht schlaffen Nu-Disco-Balearic-Whatever-Luftmatraze immer wieder frische Luft einzupusten. So steht es eigentlich auch um das selbstbetitletes Debüt-Album von Lindstrøm und Prins Thomas. Letzter hat sich ja bislang eher als Remixer für Clone, Bear Funk, Planet Noise und sogar Poker Flat oder eben als Editor für Lindstrøm einen Namen machen können. Jetzt sorgt er bei dieser Gemeinschaftsproduktion dafür, dass sich Hans-Peter Lindstrøm nicht zu sehr im Weltall und damit das Wesentliche aus dem Blick verliert. So gehen Lindstrøm und der Prins zweisam auf eine Reise, die sich aus der Vermengung balearischer Erfahrungswelten eines DJ Harvey, den Legenden um Daniele Baldelli und einem längst vergangenen Alltag New Yorker Clubs zwischen Mancuso, Nicky Siano und Larry Levan speist. Oder andersrum gesagt, wie sich heterosexuelle weiße Norweger im Disco-Exil diese Sachen nun mal vorstellen.
Dabei gelingt es dem Duo von Zeit zu Zeit wirkliche Perlen zu erschaffen. „Sykkelsesong“ funktioniert zum Beispiel auch auf wpoperborstigen Tanzfluren prima als verstrahltes Exponat der nie eingegangen Ehe von Fela Kuti und Eddy Grant. Oder „Feel AM“. So stellt man sich Ibiza 1987 als Zugspätgeborener vor. Der einzige Wehmutstropfen ist dann aber doch die etwas zu stark betonte Liebeserklärung an akustische Gitarren und ausladende Balladen. Vermisst wird auch der Vibe, den man von Lindstrøm und seinen Future Classics „Music“ oder „There Is A Drink In My Bedroom And I Need A Hot Lady“ kennt. Eine kleine Prise Pop nur und ein Song da und dort hätten nicht geschadet.
Andererseits hätte kaum etwas apathischer gewirkt, als eine Ansammlung von „I Feel Space“-Epigonen auf dieses Album zu bannen. Spötter riechen also schon den Backlash, fühlen sich streckenweise an nachmittägliche Landschaftsimpressionen-Musik auf N3 erinnert oder finden die Sache stellenweise einfach zu weich, zu langweilig und zu New Age. Augenscheinlich hat Oslos Discobewegung doch immer noch genug Chuzpe, um nicht das Durchdeklinieren irgendwelcher standardisierter Vierviertelformate zu exerzieren, bei denen morgen keiner mehr weiß, wie sie gestern noch hießen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, sagt man. Lindstrøm, wir zählen auf sie.

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