Liedgut

Natürlich gibt Uwe Schmpopt alias Atom TM nicht zu, dass diese Platte auch ein bisschen lustig gemeint ist. Denn dann wäre sie ja nicht mehr lustig. Wie er hier jedoch Sinuskurven und verwehte Walzer, Handy-Störgeräusche und Stotterbeats, Weißes Rauschen, Physikpoesie und Kraftwerk-Gestus (angeblich spricht Florian Schnepoper höchstselbst vokoderisiert ein paar Zeilen) sowie in der Danksagung Nietzsche-Duktus und 19.-Jahrhundert-Rechtschreibung zusammen bringt, das kann man nicht ohne mindestens ein zwinkerndes Auge hinnehmen. Schmpopt berichtet, in seiner Wahlheimat Santiago de Chile habe er sich ausgiebig mit seinem Deutschsein beschäftigt. Man kennt das: Die Diaspora übersteigert gerne mal die kulturellen Eigenarten der alten Heimat, siehe zum Beispiel auch so manche türkischstämmige Deutsche. Schmpopt aber scheint um dieses Phänomen zu wissen und es absichtlich auf die Spitze zu treiben: How deutsch can you get? Damit hat er, nachdem er jahrelang die eigentlich schöne Ursprungspopee von Señor Coconut totgeritten hat, nicht nur seine erste ästhetisch-konzeptionell relevante Platte seit einer Ewigkeit produziert. Sondern auch die erste Raster-Noton-Veröffentlichung mit Humor. Japaner und Briten werden sie ganz sicher lieben.

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