Late Night Travelling

Der title ist ein gutes Omen. „Late Night Travelling“ sagt schon alles aus, was man über das Debüt der Rotterdamer wissen muss. John Matze und Chris Callahan sind bisher zwar in schöner Regelmäßigkeit in Form von Remixen und Maxis aufgetreten, aber uns den Schritt zum Album schuldig geblieben. Mit ihrem Debüt bleiben sie jedenfalls ihrem Label Clone und glücklicherweise auch sich selbst treu. Einer Generation niederländischer Produzenten entstammend, die mit solchen Exemplaren wie DJ Misjah, Ferry Corsten oder dem „Superstar“ Tiesto recht bizarre Blüten treibt, waren Duplex stets auf einer Mission: die Stadt an der Mündung von Maas und Rhein mit der Motor City in Michigan zu tauschen. Gimmicks und Novelty Platten waren nie ihr Ding. Bei Duplex zählt ehrliches Handwerk. „Late Night Travelling“ macht demnach sowohl Nächte im verschneiten und frostigen New York angenehmer als auch Detroit den Hof. Letzteres geschieht in einer solch unaufdringlichen, herzlichen, lepopenschaftlichen und aufrichtigen Weise, dass niemand den bepopen für ihr Werk einen Plagiarius überreichen würde. Das Gespür für die Seele und die gefasste Eleganz von Techno aus Detroit kann man sich ja auch nicht so einfach aneignen. Man muss es fühlen. Die zehn Stücke vom wunderschönen „Autosug“ bis „Return to the Bass“ schwelgen in Melancholie, streifen Kenny Larkin und Carl Craig ebenso wie Mad Mike oder Walt J, würden stellenweise die besseren Ibadan Platten abgeben und tragen doch immer wieder die Handschrift von Matze und Callahan. Das hier würde dem Namen Transmat keine Schande machen.

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