King Night

Nach einem lang gedehnten „I Love You“, einer Stimme aus dem Schattenreich, empfängt das Eröffnungs- und gleichsam titlestück des Debütalbums von Salem die Zuhörer mit einer fast schon lächerlich pathos- und bombastbehafteten Sound-Wand: Choralgesänge, wie aus der finstersten Kathedrale gezapft, sich zu ständig neuen Höhepunkten aufbäumende Synthesizer-Flächen, scheppernde, an Dubstep geschulte Beats aus der Folterkammer. Die Aushängeschilder und quasi Popstars der schönen Blase, die da seit geraumer Zeit „Witch House“ oder „Drag“ genannt wird, entwickeln auf King Night kaum etwas anderes an wunderlichen Klängen als die von ihnen bislang bekannten Tracks, die da seit ein, zwei Jahren unter dem Motto ewigen Trübsals und eines ostentativ vorgeführten abgefuckten Lifestyles durch die Blogs geistern. Ja, alles ist hart, und die Drogen haben mich kaputt gemacht. Ätherischer Singsang, in den Varianten weiblicher Dream-Pop-Engel und durchs Staubsaugerrohr grunzender merkwürdiger Nachbarn, gepitcht in alle Ewigkeit, und Rhythmusarbeit in Zeitlupe aus der Chopped&Skrewed-Schule des US-amerikanischen Hiphop-Südens – die Zutaten sind längst keine neuen mehr. Erstaunlich ist dennoch, mit welchem Ohr fürs klangliche Detail diese sich selbst in Interviews immer wieder als die letzten Null-Bock-Typen inszenierenden Sound-Forscher hier in die hintersten Winkel der Höhle vordringen und da und dort auch richtige Songs aus den Nebeln hervorschälen. Auch wenn man möglicherweise die eine oder andere Überraschung mehr erwartet hätte, ist King Night eine sehr gute Platte geworden – den „gespenstischen“ Aspekt aber sollte man als so ernst und genuin verstehen wie den Horror von Poltergeist Teil 14, straight to vpopeo.