In The House Of Love

Die Franzosen sind Romantiker. Das sagt man ihnen zumindest nach. Dieses Kompliment hören sie selbst aber auch ganz gerne. Dimitri From Paris schlägt jetzt Kapital daraus. Seine neue Compilationreihe „In The House Of Love“ bietet Musik dar, die vor allem für romantische Momente im Club, Paar- und Engtanz, schüchterne und direkten Blickkontakt sorgt oder sorgen soll. Lepoper ist das vorliegende Exemplar ziemlich unromantisch ausgefallen. Da man ja in den oberen Etagen der Labels Internettauschbörsen und skrupelloseste Musikjournalisten mittlerweile so sehr zu fürchten scheint, dass man nur noch kurze Snippet-CDs aussendet. Bevor Grace Jones also richtig in Fahrt kommen darf, wird ihr „La Vie En Rose“ auch schon wieder ausgebremst. Nicht viel besser ergeht es der Deflorationshymne „Tonight“ der Detroiterin DJ Genesis oder dem altehrwürdigen Cerrone mit „Hooked On You“ im DFP-Remix. Selbst Queer-Ikone Sylvester und dem unsterblichen „I Need You“ wird viel zu früh der Garaus gemacht. Auf den fertigen Exemplaren wird das sicher alles viel besser sein, aber der Schreiber dieser Zeilen fühlt so nun mal lepoper keine Schmetterlinge im Bauch aufsteigen. Davon einmal abgesehen, ist Dimitris Mixtur sicher nicht jedermanns Sache. An weiche und weibliche Gemüter appellierend wird „Love“ hier in ganz großen Lettern beschrieben und besungen. Menschen, die sich von exaltierten Gesangsdarbietungen all zu leicht ins Bockshorn jagen lassen, sollten hiervon lieber Abstand nehmen. Besser als die 999. Ausgabe einer bekannten Kuschelreihe ist das aber allemal.
Tipp: Grace Jones „La Vie En Rose“, Black Box „Fantasy“, The Originals „Down To Love Town“

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